Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Unsere Buchempfehlungen im Dezember 2017

 Bo-hyeon Seo Seo: Das Geheimnis des Mondes ( ab 4 - 7 Jahren)
Aracari Verlag 2016

Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter (ab 8 - 13 Jahren)
Verlag: FISCHER KJB

Robert Seethaler: Der Trafikant(ab 14 Jahren)
Verlag: Kein & Aber, 2013

Bo-hyeon Seo Seo: Das Geheimnis des Mondes

Verlag: aeacari 2016
llustratorin: Jeong-hyeon Sohn
Übersetzer: Andreas Schirmer
ISBN - 13: 978-3905945652
Gebunden : 36 Seiten
Bilderbuch / Sachbuch
Altersempfehlung: ab 4 - 7 Jahren

Bo-hyean Seo ist es gelungen, ein Bilder-Sachbuch zu schreiben, das sowohl Kindergartenkinder als auch Erstklässlerinnen und Erstklässler begeistert. „Das Geheimnis des Mondes“ ist im  ersten Teil ein Bilderbuch für die Kleineren. Die Waldtiere streiten sich darüber, welche Form der Mond habe. Tellerrot, wie eine geviertelte Melone oder doch eher wie ein schmales Blatt? Sie kommen nicht auf einen Nenner, bis der Mond zu ihnen spricht. Er erklärt, dass er sich immer wieder verändert und nicht nur eine Form hat.

Im zweiten Teil wird auf einer Doppelseite anschaulich erklärt, warum der Mond immer wieder anders aussieht und wie es zu den verschiedenen Phasen kommt. Neben dem Mond wird auf die Erde und die Sonne eingegangen sowie Tag und Nacht. Die Doppelseite ist sehr komprimiert, aber die Kinder bekommen einen ersten Eindruck von unserem Sonnensystem. Wenn sie mit Erwachsenen über das Gesehene und Vorgelesene sprechen und auch nachfragen können, steht dem Wissen über den Mond nichts mehr im Weg.

Ein Buch, das in der Kindergarten- oder Hortbücherei nicht fehlen sollte. Kleinere Kinder schauen es immer wieder gerne an und warten auf Vorleserinnen oder Vorleser. Mit größeren Kindern kann man anschaulich das Entstehen der Mondphasen anhand der Doppelseite besprechen.


Ideenpool Lesen

Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter

Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue

Verkag: FISCHER KJB; 2011
Illustrator: Michael Sowa
ISBN-13: 978-3596807406
Gebunden/Taschenbuch: 50 Seiten
Abenteuerroman
Altersempfehlung: ab 8 - 13 Jahren

Wer sich in das Reich der Altgermanistik begeben möchte, sollte den von Felicitas Hoppe ins Deutsche übertragenen kongenialen Roman „Iwein“ in die Hand nehmen und sich in die mittelalterliche Welt der Ritter entführen lassen. Iwein, der Protagonist dieser König Artus nahestehenden Sagenwelt, kann die Zweisamkeit mit seiner schönen Frau Laudine nicht einfach genießen. Er verspricht ihr in einem Jahr zurückzukehren, um sich in der Zwischenzeit in Abenteuer zu stürzen und sich seine Ehre zu „verdienen“. Mit seinem Freund Gawein macht er sich auf den Weg. Allerdings verpasst er die fristgerechte Rückkehr zu seiner geliebten Laudine. Wie geht es Iwein, nachdem er seine Liebe und damit seine Ehre fast verspielt hat? Welche Abenteuer besteht er und wie kommt es letztendlich doch zu einem guten Ende?

Für Kinder ab einem Alter von acht Jahren bieten die Abenteuer des Protagonisten Iwein eine breite Projektionsfläche, um Gefühle wie Liebe und Verrat, Gewinnen und Verlieren, Trennung und Wiederfinden nachzuempfinden.

Der Roman bewegt sich auf einer sagenhaften, märchenhaften Ebene, die jungen Leserinnen und Lesern dennoch viele Identifikationsmöglichkeiten bietet.  


M.S. Ideenpool Lesen

Robert Seethaler: Der Trafikant

Verlag: Verlag Kein & Aber AG, Zürich - Berlin, 2012
ISBN-13: 978-3036959092
Taschenbuch: 249 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Der Österreicher Robert Seethaler erzählt die Lebensgeschichte des jungen Franz Huchel, der in der österreichischen Provinz als unehelicher Sohn eines Dienstmädchens wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg geboren wird und unter der fürsorglichen Obhut seiner Mutter aufwächst. Diese sehnt sich nach einem Ehemann oder einer festen Partnerschaft, kommt aber über Liebesverhältnisse, teilweise mit finanzieller Abhängigkeit, nicht hinaus. Trotz geringem Sozialstatus der Mutter erlebt Franz eine weitgehend unbeschwerte Kindheit am Attersee, die von Naturerlebnissen geprägt ist.

1937 zieht der 17-jährige Franz in die turbulente Weltstadt Wien, um in der Trafik Otto Trsnjeks eine Lehre zu beginnen, einem alten Bekannten seiner Mutter. Als Kriegsversehrter, er hatte im ersten Weltkrieg ein Bein verloren, hatte Otto von der Regierung die Lizenz zum Betreiben eines Zeitungskiosks bekommen, der Trafik. Er verkauft dort Tabakwaren, Zeitungen und Zeitschriften aller Art und, unter dem Ladentisch, pornografische Wichshefteln für ältere Stammkunden. Angesichts der Informationsflut in den verkauften Zeitungen wird sich Franz der eigenen Defizite schnell bewusst und versucht sich, mit wohlwollender Unterstützung Otto Trsnjeks, durch eifriges Lesen Bildung anzueignen.

Immer stärker spürt Franz den sich steigernden Drang zum anderen Geschlecht. Auf dem Wiener Prater lernt er die drei Jahre ältere Anezka kennen, ein dralles böhmisches Mädchen, in das er sich Hals über Kopf verliebt. Nach der ersten flüchtigen Begegnung bricht sie die Verbindung ab und lässt den verliebten Franz in Seelenqualen sitzen. Weder die Mutter, mit der er sich in kurzen Briefen austauscht, kann ihm helfen, noch sein Chef Otto Trsnjek, da dieser nach eigener Aussage mit seinem Bein auch seine Jugend im Schützengraben verloren hat. Er überwindet sich, Rat bei Sigmund Freud zu suchen, der als Kunde in der Trafik gelegentlich Zeitungen und Zigarren einkauft.

Inzwischen haben auch in Österreich die Nazis an Gewicht gewonnen und Franz, der sich eigentlich in keine politischen Auseinandersetzungen hineinziehen lassen will, wird mit täglichen Beeinträchtigungen seines unmittelbaren Lebensumfeldes konfrontiert.

Didaktischer Kommentar 
Der fiktiv-historische Roman zeigt am Beispiel des jungen Franz Huchel die Unsicherheit und Ängste eines jungen Adoleszenten, der zum ersten Mal sexuellen Kontakt zum anderen Geschlecht sucht und nach einigen Verwirrungen findet. Auch die Expertise des Psychoanalytikers Sigmund Freud kann ihm da nur bedingt weiterhelfen, da es sich um einen individuellen Prozess handelt, den jeder selbst erleben und verarbeiten muss. Dies geschieht unter dem Hintergrund der Radikalisierung und Brutalisierung der österreichischen Gesellschaft im Nationalsozialismus, die im Sog Deutschlands auf den zweiten Weltkrieg zusteuert. Der jugendliche Franz, der sich unter wohlwollender Begleitung seines Chefs Otto Trsnjek mehr Wissen aneignen will, versucht sich zunächst politische Ahnungslosigkeit als Gebot der Stunde aufzuerlegen, um nicht durch die Gewaltbereitschaft von Mitbürgern und staatlichen Organen Schaden zu nehmen. Die Ausgrenzung geschätzter Bekannter und die Eingriffe in sein persönliches Umfeld verletzen sein anerzogenes moralisches Empfinden derart, dass er sich zunehmend politisiert.

Das Buch eignet sich, als Entwicklungsroman, zur Bearbeitung von Schwierigkeiten und Hemmnissen Jugendlicher an der Schwelle zum Erwachsenenalter. Durch die Einbettung in die österreichische Vorkriegszeit können auch Phänomene wie die Radikalisierung und Verrohung großer Bevölkerungsschichten sowie die Ausgrenzung unbeliebter Minderheiten durch politische Indoktrination thematisiert werden.

Der Trafikant ist Pflichtlektüre in Gymnasialklassen und Fachhochschulreife-Kursen Baden-Württembergs. Der Roman ist Inhalt einiger Theaterproduktionen und auch als Hörbuch erhältlich. In Vorbereitung ist eine Verfilmung mit Simon Morzé (Franz Huchel) und Bruno Ganz (Otto Trsnjek) in den Hauptrollen, die 2018 fertig gestellt sein wird.
Der Titel liegt bei „tacheles/Roof music“ als ungekürztes Hörbuch vor. Eine Hörprobe finden Sie hier.

Weitergehende Literatur finden Sie unter:

  • Interpretationshilfe für Oberstufe und Abitur zu Robert Seethaler, Der Trafikant, Klett Verlag Stuttgart 2017, 9,99 €
  • Arnd Nadolny, Königs Erläuterungen, Textanalyse und Interpretation zu Robert Seethaler, Der Trafikant, Bange Verlag Hoffeld 2017, 7,90 €
  • Thea Caillieux, Klausurtraining, Der Trafikant von Robert Seethaler, Klett Verlag Stuttgart 2016, 48 S., 6,50 €

A.R. Ideenpool Lesen