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"Arisierung" als Begriff

"Arisierung" ist ein durchaus problematischer Begriff, denn er stammt aus der Sprache der Täter und tauchte bereits in den 1920er Jahren in völkischen Schriften auf. Im Dritten Reich waren mit "Arisierung" ganz unterschiedliche Bedeutungen verbunden, so war damit der Verkauf einer Firma oder eines Grundstücks an einen Arier gemeint, aber Arisierung konnte sich auch darauf beziehen, dass Nichtarier aufgrund ihrer Verdienste zu Ehrenariern ernannt wurden.

Heute tut sich die Geschichtswissenschaft daher sehr schwer, den Begriff "Arisierung" eindeutig zu definieren. Manche Historiker verstehen unter "Arisierung" sogar die Ausbeutung von Juden als Zwangsarbeiter oder die "Verwertung" der ermordeten Juden, indem ihre Haare oder ihr Zahngold verwendet wurden. In der Regel haben sich in den letzten Jahren aber zwei Begriffsdefinitionen herauskristallisiert.

So gilt Arisierung in einem engeren Sinn als Transfer von jüdischem Besitz in arische Hände und in einem weiteren Sinn als die wirtschaftliche Verdrängung der Juden und die daraus resultierende Vernichtung ihrer Existenz. Folgt man dieser zweiten, weiter gefassten Erklärung, dann ist Arisierung „eine der gnadenlosesten und unverschämtesten Raubaktionen, die an der eigenen Bevölkerung oder an einem Teil der Bevölkerung vollzogen wurde", wie der Historiker Andreas Heusler einmal gesagt hat. Und tatsächlich waren die Ausplünderung der deutschen Juden und ihre Verdrängung aus der Wirtschaft einer der größten Besitzwechsel der neuzeitlichen deutschen Geschichte.