Landesgeschichtliche Einordnung

Politischer Widerstand

Frühe Verfolgung der politischen Gegner

Sozialdemokraten und Kommunisten erkannten die Gefahr eines NS-Staates früh, bündelten aber aufgrund ihrer politischen Gegensätze, die während der Weimarer Republik offen zum Ausdruck kamen, ihre Kräfte nicht.

“In der Stunde der Gefahr wenden wir uns auch an die kommunistischen Arbeiter, denn nicht Bruderkampf, sondern Klassenkampf tut Not.“
(Quelle: http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/ausstellung/historische/schumacher-chronik.htm)
Der Appell des SPD-Reichstagsabgeordneten Kurt Schumacher, den er am 1. Februar 1933 bei einer Massenkundgebung an die 7000 – 8000 Teilnehmer auf dem Stuttgarter Marktplatz richtete, blieb wirkungslos.

Wegen des entschiedenen Kampfs der Arbeitermilieus gegen den Nationalsozialismus wurden ihre Organisationen von Anfang an gezielt verfolgt und zerschlagen.
Konzentrationslager gab es in Württemberg bereits ab März 1933 auf dem Heuberg mit 2000 politischen Häftlingen, die ab November 1933 ins KZ Oberer Kuhberg nach Ulm überführt wurden.
In Baden wurde ab April 1933 das KZ Kislau eingerichtet.

Ludwig Marum, Schaufahrt
B 5 
Ludwig Marum, Verhaftung und Überführung ins KZ Kislau am 16.5.1933 "Schutzhäftlingen" am 16.05.1933
B 6
Schaufahrt durch Karlsruhe mit
sieben weiteren sozialdemokratischen
© LMZ 039658 © LMZ 311601

 

Führende Funktionäre wie zum Beispiel die SPD-Politiker Kurt Schumacher oder Gottlob Kamm, der KPD-Landtagsabgeordnete Alfred Haag oder der Gewerkschafter Willi Bleicher, waren über mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert.

Aber auch der Zentrumsabgeordnete und württembergische Staatspräsident Eugen Bolz, der Anfang 1933 offen gegen Hitler Stellung bezog, galt er als einer der Hauptgegner der neuen Machthaber. Am 11. März 1933 wurde seine Regierung von den Nationalsozialisten abgesetzt und Wilhelm Murr zu seinem Nachfolger gewählt. Nach seiner Verhaftung am 19. Juni 1933 wurde er für mehrere Wochen im Konzentrationslager Festung Hohenasperg eingesperrt.


Widerstandsaktionen: Gasparitsch, Lechleiter und andere

Die einzelnen Widerstandsformen bis Mitte der dreißiger Jahre reichten u.a. vom Generalstreik ( Mössingen, 31.1.1933), über Sabotagehandlungen ( “Stuttgarter Kabelattentat“,15.2.1933), Schriftenschmuggel (z.B. Lilo Hermann, 1935) und dem Anbringen von Protestparolen an Häuserwänden (z.B. des 17-jährigen Schriftsetzerlehrlings Hans Gasparitsch, 1935), bis zum Anschlagversuch auf das Reichsparteitagsgelände 1936 durch den jüdischen Studenten Helmut Hirsch.

Um 1935/1936 galten die Organisationsapparate der Sozialdemokraten und Kommunisten als von der Gestapo im Inland zerschlagen. Die Verhaftungswellen hatten viele Widerstandskämpfer entmutigt oder wie z.B. bei Erwin Schöttle und der Gruppe “Neu Beginnen“ dazu geführt, ihre Widerstandsaktivitäten aus dem Exil fortzuführen. “Ab 1936 lief der Widerstand aus den Arbeitermilieus in Südwestdeutschland auf vergleichsweise kleiner Flamme.“
(Claus-Christian W. Szejnmann, Arbeitermilieus in Südwestdeutschland in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, in: Die Brüder Stauffenberg und der deutsche Widerstand, Stuttgart 2006, S. 59).

Dennoch knüpfen beispielsweise in Mannheim 1940 Georg Lechleiter, Jakob Faulhaber, Ludwig Moldrzyk und Rudolf Langendorf erste Kontakte im alten Freundeskreis und in Mannheimer Betrieben, bauen kommunistische Betriebszellen in einzelnen Firmen auf und veröffentlichen 1941 die illegale Zeitung “Der Vorbote. Informations- und Kampforgan gegen den Hitlerfaschismus“.

Georg Lechleiter Titelseite
B 7
Georg Lechleiter
* 14.4.1885 Appenweier
†15.9.1942 Stuttgart
© Stadtarchiv Mannheim
B 7a
Titelseite der 2. Ausgabe vom 7.11.1941
zum 24. Jahrestag der Russischen Revolution
Scan von Dr. Wilhelm Kreutz aus
Matthias/Weber, Widerstand in Mannheim, S. 337

 

Im Stuttgarter Raum agierte die Schlotterbeck-Gruppe, deren Mitglieder 1944 an die Gestapo verraten und zum überwiegenden Teil ermordet wurden.

Schlotterbeck Lutz
B 8
 Friedrich Schlotterbeck um 1930
* 6. 1.1909 Reutlingen
† 7.4. 1979 Berlin
© wikimedia commons – VVN
B 8a
Gertrud Lutz, geb. Schlotterbeck, 1942
*17.9.1910 Reutlingen
† 30.11. 1944 KZ Dachau
© wikimedia commons - VVN

 

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- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -

letzte Änderung: 2013-08-06