Münsingen-Buttenhausen - Erinnerungsstätte Matthias Erzberger

Methodenvorschlag

Lernorterkundung

a) Allgemeine Anmerkungen

Die Erinnerungsstätte befindet sich im Geburtshaus Erzbergers. Die Raumkapazitäten in dem kleinen Haus sind gering. Es ist nicht möglich, größere Klassen in den Ausstellungsräumen gemeinsam unterzubringen.

Die Begrüßung und Einführung in die Ausstellung kann daher vor dem Museum oder im größten Ausstellungsraum im ersten Stock des Museums stattfinden. Danach empfehlen wir Klassen in kleinere Gruppen aufzuteilen. Es ist möglich, mithilfe von am Ort vorhandenen Audioguides durch die Ausstellung zu gehen. Da die Erinnerungsstätte jedoch chronologisch-thematisch aufgebaut ist, sollte eine solche Audioführung zeitversetzt durchgeführt werden. Wenn Sie bei einem Besuch Buttenhausens auch den zweiten Aspekt, die jüdische Geschichte des Ortes mitberücksichtigen, könnte eine Klasse in zwei Hälften geteilt werden. Eine Erkundung der jüdischen Ortsgeschichte stellen wir Ihnen hier vor. Der Bürgersaal in der Bernheimer'schen Realschule im Ort (ca. 10 Minuten Fußweg) kann auf Anfrage für gemeinsame Besprechungen, Auswertungen und als Gruppenarbeitsraum genutzt werden.


b) Gruppenpuzzle

Ein im Auftrag des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg erarbeitetes "Biographisches Puzzle für Schulklassen" steht zum Download zur Verfügung. Diese Arbeitsblätter sind für Schulklassen unbedingt zu empfehlen, da sie die Aufteilung in Arbeitsgruppen mit je unterschiedlichem Parcours und Fragestellungen vorsehen. Angesichts der begrenzten Raumkapazitäten ist ein solches Vorgehen zu empfehlen.


c) Alternativen

Mithilfe der angegebenen Literatur, des Internetangebots und ggf. einer zu empfehlenden Vorerkundung können ältere Schülerinnen und Schüler selbst die Führung durch je einen Raum des Museums übernehmen. Sie erklären dann Kleingruppen je eine im Museum dargestellte Lebensstation Erzbergers, lesen Auszüge aus Reden Erzbergers vor und erklären vorhandene Ausstellungsstücke und/oder die Installation(en). Auch hier ist zu beachten, dass die Kleingruppen zeitversetzt die verschiedenen Ausstellungsräume besuchen sollten.


d) Hinweis: Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart

In der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte (Abteilung "Weltkriege und Zwischenkriegszeit 1914-1945") finden sich weitere Exponate zu Matthias Erzberger und seiner Ermordung ( Museumspädagogische Handreichung Chronologie 1,9 MB).


Behandlung des Themas in der Schule

a) Thematische Anbindungsmöglichkeiten

Die Person und die Politik Erzbergers kann im Unterricht mehrfach einbezogen werden. Seine Wandlung vom patriotischen Nationalisten hin zu einem Demokraten und "Erfüllungspolitiker" bietet eine interessante Klammer, die hilft, die Themen Erster Weltkrieg und Weimarer Republik miteinander zu verknüpfen. Seine Biografie kann sachspezifisch vorgestellt und erörtert werden.

In der folgenden Aufstellung machen wir Vorschläge für die Einbindung Erzbergers in den historisch-politischen Unterricht:

  • Themenfeld Erster Weltkrieg mit den Aspekten Nationalismus, U-Boot-Debatte, Julikrise, Kriegsende, Versailler Vertrag
  • Themenfeld Weimarer Republik mit den Aspekten Internationale Politik, Völkerbund, Verfassung, politischer Terror

Als Materialien stehen Quellentexte in der aufgelisteten Literatur und in unserem Materialien- und Medienangebot zur Verfügung.


b) Gleichfalls eignet sich Matthias Erzberger als Thema für problemorientierte Präsentationen, Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen (GFS) und als Thema für die Präsentationsprüfung im Abitur sowie für die Projektprüfungen an Haupt- und Werkrealschulen.


c) Ausstellungsprojekt in der Schule

Matthias Erzberger eignet sich als Thema für ein Ausstellungsprojekt in der Schule. Insbesondere Schulen an Orten, an denen Erzberger politisch wirkte, können hier lokalhistorische Spurensuche betreiben.

Eine Liste des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg mit Orten, in denen Erzberger um die Jahrhundertwende auftrat, finden Sie in D 2 . Die Aufstellung beinhaltet auch Auszüge aus Presseberichten sowie die Quellenangaben.
Da über die Ermordung Erzbergers in vielen lokalen Zeitungen berichtet wurde und es vielfach zu Protestkundgebungen kam, sind auch die Tage nach dem 26.8.1921 für eine Presserecherche interessant. Hier lassen sich auch Berichte aus Zeitungen unterschiedlicher Couleur miteinander vergleichen.
Ansprechpartner für eine derartige Recherche sind die jeweiligen Stadtarchive.

Bei der lokalgeschichtlichen Spurensuche könnte gleichfalls die Suche nach Straßenbenennungen von Interesse sein. Erzbergerstraßen gibt es in vielen Städten und Gemeinden. In Ravensburg wurde die Erzbergerstraße im Nationalsozialismus in Schlageterstraße umbenannt. Erst nach 1945 erhielt die Straße den alten Namen zurück. Zeitpunkt und Begründung der Namensgebung geben häufig Aufschluss über politische Einstellungen in der jeweiligen Gemeinde. An vielen Orten ist die Geschichte der Straßennamen durch Veröffentlichungen des Stadtarchivs erschlossen. Zur Not hilft ein Blick in die Ratsprotokolle, die in den lokalen Archiven einsehbar sind.

Biografisch und thematisch strukturiert ist ein solches Projekt für Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe unter Anleitung zu leisten. Anregungen dafür bietet die Themenaufgliederung in der Beschreibung der Anlage der Gedenkstätte. Die Ergebnisse der lokalhistorischen Spurensuche (beispielsweise in einem Zeitungsarchiv) können dann ein Unterthema der Ausstellung sein.


- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -