Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan

Zugrunde liegende Textausgabe: Piper, EAN 978-3-492-27212-4

Die Unterrichtsbausteine finden Sie weiter unten!


 

Ingeborg Bachmann (1926-1973), die zu den Schöpfern des modernen Hörspiels zählt, verfasste zwischen 1951 und 1957 drei Hörspiele: „Ein Geschäft mit Träumen“ (1951/52), „Die Zikaden“ (1954) und „Der gute Gott von Manhattan“ (1957). Die Stücke entstanden in der Blütezeit der Hörspiele und gelten als die bedeutendsten Funkstücke dieser Zeit. „Der gute Gott von Manhattan“ hatte zunächst den Arbeitstitel "Manhattan-Ballade" (Bachmann-Handbuch: Leben-Werk-Wirkung, S. 9) und  wurde 1958 ausgestrahlt. Ein Jahr später erhielt Bachmann für das Stück den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Ihrer Dankesrede gab sie den Titel „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.

Dargestellt wird in "Der gute Gott von Manhattan" die rauschhafte Liebe Jennifers und Jans, die sich in der Grand Central Station in New York kennen lernen. Schnell verfallen sie einander, was der gute Gott nicht gutheißt und die Liebenden mit dem Tod bestraft. 

 

Der Inhalt

Der gute Gott ist wegen der Tötung Jennifers angeklagt. Er erzählt in Rückblenden über die Liebe Jans und Jennifers. Sie begegnen sich im Hochsommer in den 1950ern im Grand Central Bahnhof. Jan befindet sich eigentlich auf der Durchreise und begegnet Jennifer zunächst mit Abneigung. Jennifer bleibt hartnäckig und verbringt schließlich mit Jan den Abend und die Nacht in einem Stundenhotel.  Als sich Jans Weiterreise verzögert, ziehen die Liebenden in ein Hotel um, verbringen dort die weitere Zeit und verfallen einander. Währenddessen setzt der gute Gott seine Eichhörnchen auf das Paar an, das erkennt, dass es sich nicht mehr trennen kann. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die Eichhörnchen Jennifer ein Paket bringen, während Jan das Hotel verlassen hat. Als sie es öffnet, stirbt sie durch eine Paketbombe. Der gute Gott verlässt das Gericht ohne Verurteilung, obwohl er zugegeben hat, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. 

 

Der Aufbau


 

Das Hörspiel ist eingebettet in eine Rahmenhandlung, die Gerichtsverhandlung. Es verlaufen zwei Handlungsstränge parallel, da der gute Gott in Rückblenden von der Liebe des Paares berichtet und seinem bzw. dem Handeln der Eichhörnchen.

Die Gerichtsverhandlung ist an Ort und Zeit gebunden, es gibt den Richter und den guten Gott als Handelnde. Während des Verhörs, das die Tatmotive des guten Gottes klären soll, werden alle für das Verständnis wichtigen Informationen gegeben. Der gute Gott erzählt in mehreren Rückblicken über die sich entwickelnde Liebesbeziehung Jans und Jennifers, kommentiert immer wieder und zeigt sein Handeln auf. Die Rahmenhandlung bildet eine Klammer, das Hörspiel beginnt und endet im Gerichtssaal.

 

Der Ort

Schauplatz ist Manhattan. 1626 kauften die Niederländer die Insel von den Algonkin-Indianer, die es "Manna-hatta" oder Ma-na Hat-ta" (S. 19) nannten, was übersetzt "vermutlich hügelige Insel" heißt, aber auch Platz des Rausches heißen kann, "je nach Aussprache" (Was ist was). In Manhattan wird die sich steigernde Liebe veranschaulicht durch das In-die-Höhe-Steigen und Bewohnen verschiedener Stockwerke: Das Paar zieht vom Stundenhotel, aus einem Kellerzimmer, in das kaum Licht fällt (S. 25/29), in den 7. (S. 35f.), 30. (S. 61) und schließlich 57. Stock (S. 74) mit großartiger Aussicht und fern ab vom Trubel, wo sich das Paar seine Liebe schwört (Aufgabe und Tafelbild, Bedeutung des Ortes).

 

Das Hörspiel im Unterricht

Als Vorbereitung auf das Hörspiel und zur Übung für eine mündliche Prüfung bietet es sich an, Kurzreferate (Link zum Material) zu verschiedenen Themen zu vergeben.

Für die Unterrichtseinheit im Basisfach sollten 12-14 Stunden angesetzt werden. Dabei könnte ein Stundenverlauf wie folgt aussehen:

 

Wichtig ist, immer mit dem Hörspiel zu arbeiten, Elemente des Hörspiels zu erarbeiten, einzelne Passagen zu untersuchen und den Unterricht nicht ausschließlich auf die Textausgabe zu beziehen.

 

 


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