Methodenvorschlag

Lernorterkundung

B 31  "Villa Zundel", Kirchheimer Straße 14, Stuttgart-Sillenbuch
© Dr. Ines Mayer 2013

Einen eigentlichen Lernort zu Clara Zetkin gibt es nicht. Allerdings hat sie in Stuttgart-Sillenbuch Spuren hinterlassen, denen evtl. im Rahmen eines Klassenausfluges nachgegangen werden kann. Außerdem können natürlich Schulen aus der Region Stuttgart einen Abstecher nach Sillenbuch machen.

Georg Friedrich Zundel in Sillenbuch bei Stuttgart um 1910

B 8  Georg Friedrich Zundel in Sillenbuch bei Stuttgart um 1910
© BArch BildY 10-66/7

Das Wohnhaus von Clara Zetkin und ihrem Mann, die "Villa Zundel" in der Kirchheimer Straße 14, ist in Privatbesitz und kann nur von der Straßenseite her betrachtet werden.
Die nach Zetkin und Zundel benannten Straßen in Sillenbuch bezeichnen keine spezifischen Erinnerungsorte.

Straßenschild in Stuttgart-Sillenbuch

B 32  Straßenschild in Stuttgart-Sillenbuch
© Dr. Ines Mayer 2013

Am interessantesten ist sicherlich der Besuch des Waldheims Sillenbuch, das 1909 errichtet und nach Clara Zetkin benannt wurde. Im "Clara-Zetkin-Haus" pflegt man das Andenken der prominenten Namenspatronin, informieren Schautafeln und weitere Materialien – Bücher, Fotos, Zeitungsseiten etc. – über ihr Leben und Werk und werden von Zeit zu Zeit Veranstaltungen zu Clara Zetkin durchgeführt.

Clara Zetkin-Haus, Stuttgart-Sillenbuch

B 33  Clara Zetkin-Haus, Stuttgart-Sillenbuch
© Dr. Ines Mayer 2013

Ein Besuch im Clara Zetkin-Haus bietet auch die Möglichkeit, sich mit der Bedeutung der Waldheimbewegung für die Arbeiterschaft und damit auch mit dem Themenkomplex der sozialen Frage zu Beginn des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen.
Das Waldheim ist bewirtschaftet. Anfahrt und Öffnungszeiten sowie Veranstaltungshinweise erhält man auf der Webseite: http://www.waldheim-stuttgart.de

Tafel vor dem Clara Zetkin-Haus, Stuttgart-Sillenbuch

B 34  Tafel vor dem Clara Zetkin-Haus, Stuttgart-Sillenbuch
© Dr. Ines Mayer 2013

Der eigentliche Ort für die Bearbeitung des Moduls "Clara Zetkin – eine Plakatausstellung" ist jedoch das Klassenzimmer.

Das Thema in der Schule

B9 Plakat zum Internationalen Frauentag 1914

B 9  Plakat zum Internationalen Frauentag 1914
© Landesmedienzentrum LMZ003065

Als Zugang zur Person Clara Zetkin bietet sich der Internationale Frauentag an, der bis heute am 8. März begangen wird und damit eine Auseinandersetzung mit seiner Initiatorin sowie der Entstehungszeit als sinnvoll erscheinen lässt.

Die Beschäftigung mit der Biografie Clara Zetkins erfolgt im Rahmen einer Plakatausstellung (zum 8. März), entweder im kleineren Rahmen in der Klasse oder als größeres Projekt für die Schule. Die Plakate werden herkömmlich (mit Edding, Tonpapier, Bildern etc.) angefertigt, können aber auch, z.B. von Klassen mit dem Profil Gestaltungs- und Medientechnik (GMT) oder allgemein gestalterisch ambitionierten Klassen, am Computer gestaltet und mit einem Plotter in DIN A2-Format ausgedruckt werden. In diesem Fall könnte die Arbeit als fächerübergreifendes Projekt (mit GMT, IT oder Kunst) angelegt und bewertet werden.

Die Unterrichtsmaterialien (D1 bis D6) lassen sich aber auch für eine herkömmliche Gruppenarbeit, für ein Gruppenpuzzle oder für einen Lernzirkel nutzen. Ebenso ermöglichen sie einen eher modularen Zugang, indem z.B. nur der Aspekt der Frauenrechtsbewegung oder die Spaltung der Arbeiterbewegung betrachtet werden.
Zu jedem biografischen Themenkomplex werden zusätzlich Textquellen (T1 bis T6) angeboten, die eine vertiefte Auseinandersetzung ermöglichen.

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg während des SPD-Parteitags in Magdeburg 1910

B 10  Clara Zetkin und Rosa Luxemburg während des SPD-Parteitags in Magdeburg 1910
© BArch BildY 10- 1183/68

Methodisches Vorgehen:

Einstieg:
Die Straßenumbenennungs-Aktion der Grünen-Abgeordneten Kofbinger und Paus, die als Folie ( M 1 oder M 2 pdf-Datei) eingeblendet wird, eröffnet eine Reihe von Schülerfragen, die an der Tafel, oder besser auf einem Flipchart notiert und im Laufe der UE beantwortet werden. Informationen zu der Aktion bzw. den Fragen finden sich am Ende von M 1 .

Als weitere Impulse werden die Liste ostdeutscher Städte mit und westdeutscher ohne eine Clara-Zetkin-Straße sowie der Kartenausschnitt von Stuttgart-Sillenbuch eingeblendet.

Damit ergeben sich u.a. folgende Fragen: Was für ein Datum ist der 8. März 2011? Wieso wird die Berliner Dorotheenstraße in Clara-Zetkin-Straße umbenannt? Wieso gibt es nur in ostdeutschen Städten Clara-Zetkin-Straßen? Wieso ist Stuttgart eine Ausnahme? Und natürlich: Wer ist Clara Zetkin?

Verleihung des Rotbannerordens an Clara Zetkin (1927)

B 22  Verleihung des Rotbannerordens an Clara Zetkin (1927)
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA008206

Übergang/Problematisierung:
Hier muss der Lehrer/die Lehrerin – anhand der Zeitleiste ( M 4 ) – ein paar grundlegende Informationen liefern und Zetkin als Frauenrechtlerin (und Initiatorin des Internationalen Frauentags) und Sozialistin vorstellen. Gemeinsam können Hypothesen gesammelt werden, wieso Clara Zetkin keinen oder nur einen Nischenplatz in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik hat und z.B. auch in den Schulbüchern fehlt. In der UE kann u.a. überprüft werden, ob Zetkin als Person der Zeitgeschichte einen höheren Stellenwert im Schulunterricht bzw. im kollektiven Gedächtnis erhalten sollte.

KPD-MdR Clara Zetkin; SPD-MdRs Lore Agnes und Mathilde Wurm (um 1920)
B 23  KPD-MdR Clara Zetkin; SPD-MdRs Lore Agnes und Mathilde Wurm (um 1920)
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA008213

Erarbeitung:
Jeder Schüler bzw. jede Schülerin erhält das Aufgabenblatt zur Plakatausstellung ( AB 1 – mit Kurz- und Langversion) sowie die biografische Zeitleiste ( M 4 ). Die Gruppenarbeit/das Projekt wird kurz vorgestellt, ein zeitlicher Rahmen festgelegt.
Die Klasse wird in sechs Arbeitsgruppen eingeteilt. Die Gruppen erhalten jeweils das auf ihren Themenbereich bezogene Darstellungsblatt (D1 – D6) sowie evtl. – je nach Zeitplanung und Leistungsniveau der Klasse – die themenbezogenen Textquellen (T1 – T6). Diese können jedoch auch im Sinne einer Differenzierung individuell an interessierte bzw. schneller arbeitende Schülerinnen und Schüler ausgegeben werden.
Die einzelnen Themenbereiche sind:
D 1 Kindheit und Jugend
D 2 Exiljahre in Paris
D 3 Stuttgarter Zeit I – Redakteurin der "Gleichheit"
D 4 Stuttgarter Zeit II – Frauenwahlrecht und Internationaler Frauentag
D 5 Stuttgarter Zeit III – Weltkrieg und Spaltung der Arbeiterbewegung
D 6 Weimarer Republik

Jede Gruppe erhält außerdem einen Zugriff auf die Bildersammlung ( M 3 pdf-Datei) und kann die für ihr Plakat ausgewählten Bilder ausdrucken bzw. in ihre digitale Plakatdatei einfügen.
Entsprechend der Verfahrensbeschreibung auf AB 1 erstellen die Gruppen nun ihre Plakate. Diese werden wenn möglich auf Metaplantafeln angebracht.
Hinweis: Um dem Lehrer/der Lehrerin abweichende Arbeitsaufträge zu ermöglichen – beispielsweise können in der Projektversion zwei Plakate je Gruppe oder zusätzliche Plakate mit Textquellen(-auszügen) erstellt werden – stehen AB 1 und AB 2 auch als Word-Datei zur Verfügung. Dasselbe gilt für die Textquellen (T1 – T6) , wo eigene Arbeitsaufträge bzw. Erschließungsfragen angefügt werden können.

Erste Internationale Konferenz sozialistischer Frauen in Stuttgart (17.8.1907)

B 25  Erste Internationale Konferenz sozialistischer Frauen in Stuttgart (17.8.1907)
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA137163

Präsentation:
Je nach Planung präsentieren die einzelnen Gruppen ihre Plakate vor der Klasse (bzw. im Rahmen einer Schulausstellung).

Ergebnissicherung:
Diese erfolgt anhand von AB 2 . Hier gibt es zwei Möglichkeiten.
1. Die Gruppen formulieren bereits während der Gestaltungsphase ihrer Plakate die Kernsätze und tragen diese nacheinander in eine als Kopiervorlage dienende Tabelle ein. Im Klassensatz kann diese Übersicht nach der Vernissage ausgegeben und gemeinsam besprochen werden.
2. Jeder Schüler/jede Schülerin erhält nach der Präsentation die leere Tabelle ( AB 2 ) und formuliert – auf dem Gang durch die Ausstellung – selbstständig oder in PA die Kernaussagen zu den jeweiligen Themenbereichen.

2. Kongress der Kommunistischen Internationale in Moskau (17.7.1920); mit Paul Levi

B 30  2. Kongress der Kommunistischen Internationale in Moskau (17.7.1920); mit Paul Levi, Leo Trotzki u.a.
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA007403

Reflexion:
Zunächst können die Schüler an die in der Einstiegsphase festgehaltenen Fragen anknüpfen und diese nun beantworten. Die übergeordnete Frage nach der Bedeutung Clara Zetkins bzw. ihrer Würdigung wird zunächst individuell angegangen. Hierfür gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten:

1. Die Schülerinnen und Schüler verfassen einen Nachruf auf Clara Zetkin. Entweder aus heutiger Sicht, beispielsweise zu ihrem 80.+x Todestag, zu ihrem 155.+x Geburtstag oder zum Internationalen Frauentag oder – anspruchsvoller – in historischer Perspektive zu ihrem Tod am 20. Juni 1933. Hier können nach politischen Richtungen differenziert verschiedene Texte entstehen, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass die Pressefreiheit zu diesem Zeitpunkt bereits eingeschränkt ist. Möglich wäre ein Ausweichen auf die ausländische Presse oder private Textsorten wie Brief oder Tagebucheintrag.

2. Jeder Schüler/jede Schülerin erhält eine Karte und notiert stichwortartig seine/ihre Bewertung Clara Zetkins. Diese Karten werden an eine noch freie Metaplanwand gepinnt.
Beide Reflexionsphasen schließen mit einer kurzen Präsentation und Besprechung.

3. Zeitlich aufwendiger, aber gewinnbringend und den Einstieg aufgreifend wäre eine abschließende Diskussion der Kommission für die Umbenennung von Straßennamen. Geklärt werden soll, ob die Dorotheenstraße in Berlin in Clara Zetkin-Straße (rück-)umbenannt werden soll. Hier müssen zuvor in Gruppen Argumente für bzw. gegen eine Umbenennung gesammelt und diese dann von den Gruppenvertretern diskutiert werden. Es bietet sich an, im Zuge dieser Diskussion Kriterien für die Auswahl von Straßennamen zu erarbeiten.

In jedem Fall sollte die Reflexionsphase mit einer (kurzen) Aussprache im Klassenplenum abschließen.

Clara Zetkin in Moskau 1923

B 18  Clara Zetkin in Moskau 1923
© BArch BildY 10/142

Die UE eignet sich in erster Linie für die Sekundarstufe II, kann jedoch auch (in abgewandelter Form) in der Sek. I durchgeführt werden. Hier kann man sich auf die biografische Ebene beschränken und eine Würdigung der Person Clara Zetkins – wenn möglich im historischen Kontext – anstreben. Exemplarisch setzen sich die Schülerinnen und Schüler anhand der Darstellungstexte D1 bis D6 sowie der biografischen Zeitleiste ( M 4 ) mit dem Leben einer politisch aktiven Frau im Kaiserreich und der Weimarer Republik auseinander.
Denkbar ist auch eine Fokussierung auf einen Themenkomplex, z.B. auf die Streitfrage der SPD-"Burgfriedenspolitik" oder auf das Frauenwahlrecht, der anhand der entsprechenden Textquellen, der biografischen Zeitleiste ( M 4 ) und des jeweiligen Darstellungstextes (D1 – D6) erarbeitet wird.

Übersicht zu den Textquellen:
- Sozialistengesetz und Exil: T2a, b, c
- Entwicklung der Frauenbewegung; bürgerliche vs. proletarische Frauenbewegung: T1a, b; T2c; T3a,b; T4c
- Frauenstimmrecht; Internationaler Frauentag: T4a, b, c;
- Kriegskredite; "Burgfriedenspolitik": T5a, b, c, d;
- Komintern und KPD in der Weimarer Republik: T6a, b, c;
- Aufstieg des Faschismus bzw. Nationalsozialismus: T6b, c.

Antimilitaristische Versammlung in Condé sur Escaut (Juli1914) mit Karl Liebknecht und Paul Levi

B 28  Antimilitaristische Versammlung in Condé sur Escaut (Juli1914) mit Karl Liebknecht und Paul Levi
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA016121


"Das Thema in zwei Unterrichtsstunden":

Für die Reduktion des Stoffes auf eine Doppelstunde muss der Rahmen einer Plakatausstellung zugunsten einer einfachen Gruppenarbeit aufgegeben werden.
Möglich ist natürlich auch die Behandlung eines bestimmten Themenbereichs – Sozialistengesetz, bürgerliche vs. proletarische Frauenbewegung, Spaltung der Arbeiterbewegung o.ä. – anhand der jeweiligen Textquellen (D1 T1 – D6 T3), des dazugehörigen Darstellungstextes (D1 – D6) sowie der biografischen Übersicht ( M 4 ).

Deutsche Sozialisten beim Kongress der Zweiten Internationale 1893 in Zürich

B 4  Deutsche Sozialisten beim Kongress der Zweiten Internationale 1893 in Zürich: Clara Zetkin (Dritte von links) sowie (weiter nach rechts) Friedrich Engels, Julie Bebel, August Bebel, Ernst Schaffer, Regine und Eduard Bernstein
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA006311

Einstieg: Der Einstieg sollte vom Lehrer stärker über Impulsfragen und Vorabinformationen zu Zetkin gerafft werden. Die Schülerfragen können an der Tafel notiert werden.

Erarbeitung: Die Auseinandersetzung mit Zetkins Biografie erfolgt thementeilig in Gruppenarbeit, wobei jeder Schüler/jede Schülerin zur Orientierung M 4 erhält. In der Gruppe werden die Darstellungstexte D1 bis D6 ausgewertet.

Präsentation: Die Präsentation der Gruppenergebnisse erfolgt über mündliche Referate vor der Klasse. Zur Visualisierung sollte der Lehrer/die Lehrerin geeignetes Bildmaterial als Folien (OHP oder ppt) bereitstellen.

Ergebnissicherung: Während der Gruppenphase formulieren die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Kernaussagen und tragen diese nacheinander in die Tabelle AB 2 ein. Diese wird bis zur nächsten Unterrichtsstunde als Ergebnissicherung vom Lehrer im Klassensatz kopiert.

Besprechung/Bewertung: Zum Abschluss werden die an der Tafel notierten Fragen beantwortet und in einer kurzen Diskussionsrunde eine Bewertung Clara Zetkins als Politikerin und Frauenrechtlerin vorgenommen.

(evtl.:) Vertiefung: Eine Vertiefung kann evtl. in Form einer Hausaufgabe erfolgen und entweder in der Formulierung eines Nachrufs auf Clara Zetkin (s.o.) bestehen oder – ggf. als Überleitung zu einem folgenden Unterrichtsthema – die Auswertung einer (oder mehrerer) Textquellen (T1 – T6) darstellen.

Clara Zetkin in Stuttgart 1920

B 20  Clara Zetkin in Stuttgart 1920
© SPD/Archiv der sozialen Demokratie 6/FOTA006989

 

 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -

 

letzte Änderung: 2016-01-22