Bilder und Zeichen

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Schrift ist die Entdeckung, dass durch Bilder und Zeichen Bedeutung transportiert wird.

Bereits beim Betrachten einfacher Bilderbücher erfahren Kinder, dass beispielsweise eine Abbildung von einem Apfel für einen realen Apfel stehen kann. Die Zuordnung zweidimensionaler Abbildungen zu dreidimensionalen Gegenständen bedeutet bereits eine Abstraktion und damit einen ersten Schritt in Richtung Schriftspracherwerb. Dieser Lernprozess kann zum Beispiel durch Fotos und Zeichnungen auf Speiseplänen, Schränken oder Portfolio-Ordnern unterstützt werden.

Mit Hilfe von Bildkarten können erste (Bilder-)Geschichten „geschrieben“ und „gelesen“ werden. Hierbei gewöhnen sich Kinder zugleich an die Lese- und Schreibrichtung von links nach rechts. Dies ist besonders für linkshändige Kinder wichtig, da diese Dinge tendenziell von rechts nach links wahrnehmen und verarbeiten (Kisch & Pauli 2018). Ein Pfeil, der vor das erste Bild gelegt wird, kann hier hilfreich sein.

Von großer Bedeutung ist auch die Erfahrung, dass Zeichen (Piktogramme, Symbole oder Logos) bestimmte, gleichbleibende Bedeutungen haben. Der Zusammenhang zwischen Darstellung und Dargestelltem ist bei Piktogrammen, Symbolen und Logos unterschiedlich eng – aber in allen Fällen weniger eindeutig als bei einem Bild. Diese Abstraktion ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Schrift.

Piktogramme und andere Zeichen können für Tagespläne, Kalender, Wettertafeln, Anwesenheitslisten etc. genutzt werden. Zahlreiche kostenlose und frei verwendbare Zeichen stehen im Internet zum Download zur Verfügung.

In der Kita, zu Hause oder bei Spaziergängen in der Umgebung lassen sich viele weitere Zeichen entdecken: Piktogramme für „Garderobe“ oder „Tankstelle“, Verkehrszeichen und Ampeln oder auch die Symbole der Post und der Apotheke oder die Logos bekannter Firmen. Hier bringen in der Regel auch diejenigen Kinder ein umfangreiches Wissen mit, in deren Familien der Umgang mit Büchern weniger üblich ist.

Spannend ist die Beschäftigung mit den Bliss-Symbolen, einer Sammlung von Zeichen, die auch zu Sätzen kombiniert werden können. Möglich sind z.B. Gespräche über den Zusammenhang zwischen Aussehen (Form) der Symbole und ihrer Bedeutung, eine interessante Herausforderung ist aber auch das Entziffern und Aufschreiben zusammengesetzter Symbole. Hier steht Ihnen eine große Anzahl von Bliss-Symbolen zum Download zur Verfügung. Ähnliche Möglichkeiten ergeben sich beim Entschlüsseln und Nachmalen von Hieroglyphen.

Auch zahlreiche Bilderbücher bieten Gelegenheit, sich intensiv mit Zeichen auseinanderzusetzen, beispielsweise „Schilder der Welt“ von Court Carole oder die Bücher „Der kleine Drache“ von Christoph Niemann und „Lius Reise“ von Catherine Louis, in denen es um chinesische Schriftzeichen geht. „Lius Reise“ enthält zudem zahlreiche Spielideen.

Viele weitere Vorschläge für die Auseinandersetzung mit Zeichen enthalten die Broschüre „Sprechen, Schreiben, Lesen – Kinder auf dem Weg zur Schrift“, das Handbuch zu ILEA T sowie die Bücher „Literacy – Kinder entdecken Buch-, Erzähl- und Schriftkultur (Näger 2017) und „Überall steckt Sprache drin“ (Jungmann et al. 2015).