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Die Bedeutung des Dritten Standes in der Französischen Revolution

Der folgende Textauszug stammt aus
Friedrich Buchholz: Geschichte Napoleon Bonaparte's
Berlin 1827, Band 1, Zweites Kapitel

Nicht mit Unrecht fürchtete der Hof den Zusammentritt der Reichsstände.

Nicht weniger als 175 Jahre waren verflossen, seitdem sie, auf Veranlassung von Heinrichs IV. Ermordung, zum letzten Male versammelt gewesen waren. Ihr Andenken wurde bei weitem mehr verabscheut als gesegnet. Und unter Ludwig XIV. und dessen nächsten Nachfolger [sic] würde es als Hochverrat gegolten haben, wenn man ihre Mitwirkung als nützlich oder gar als notwendig dargestellt hätte.

In der Tat waren sie immer unnütz, wenn sie sich nicht sogar gefährlich machten. Denn es lag in ihrem Wesen, dass sie während der Dauer ihrer Wirksamkeit die Republik an die Stelle der Monarchie setzten. [...]

Die Hauptschwierigkeit war, vorläufig auszumitteln, welche Rolle dem Dritten Stand in der Versammlung [der Generalstände] gebühre.

Wohl fühlte man, dass die Zeit vorüber sei, wo auf Reichstagen der Dritte Stand den Monarchen kniend empfing und seine Anträge auf den Knien machte. Seit Ludwig XIV. Regierung [...] war aus den ehemaligen Leibeigenen und Erbuntertänigen eine Klasse hervorgegangen, deren Rechte, da sie das ganze gesellschaftliche Gebäude trug, nicht länger verkannt werden konnten.

Der allgemeinen Aufforderung der Regierung folgend, warf der Abbé Sieyès in einer schriftlichen Erörterung die Frage auf: "Was ist der Dritte Stand?" Die Antwort war: "Nichts, so wie er jetzt ist; alles, sobald er geworden ist, was er werden muss." Diese Schrift gab dem öffentlichen Geiste eine Richtung, die er nicht verließ.

(Text vorsichtig modernisiert; Quelle)


Aufgaben

  1. Arbeite heraus, welche Gründe aus der Sicht der französischen Monarchie ursprünglich gegen die Einberufung der Generalstände sprachen.
  2. Erläutere mit Hilfe des folgenden Link zur Vorrevolution (historicum.net), warum es 1789 dennoch zur Einberufung der Generalstände kam.
  3. Erkläre die Aussage des Autors zur Bedeutung des Dritten Standes im Vergleich zur Zeit Ludwigs XIV.
    Berücksichtige hierbei das Hintergrundwissen zu Frankreich im 18. Jahrhundert.
  4. Stelle die Meinung des Abbé Sieyès im letzten Absatz des Textauszuges dar.
    Begründe, inwiefern sich hieraus zentrale Forderungen der Revolution hieraus ableiten lassen.
    Zeige, wie die Revolution das Problem der Stellung und Bedeutung des Dritten Standes in der Praxis gelöst hat, indem du den weiteren Verlauf der Revolution berücksichtigst.

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