Ciceros philosophische Schriften: Übersicht und Einführung

Übersicht über die Auszüge aus Ciceros philophischen Schriften in der Lateinischen Bibliothek

De re publica

Cicero schrieb sein Werk De re publica ("Über den Staat") in den Jahren 54 bis 51 v. Chr., als er sich zeitweilig aus der Politik zurückziehen musste. Das Werk ist, von den Einleitungen zu den einzelnen Büchern abgesehen, in Dialogform verfasst. Diese Dialoge sind in das Jahr 129 v. Chr. verlegt; der Hauptredner ist der Politiker Scipio Africanus (Wikipedia).

Das Vorbild dieses Werkes ist die Politeia (Staatslehre) des griechischen Philosophen Platon. Im Gegensatz zu Platon, der einen Idealstaat entwirft, beschreibt Cicero die ideale Verfassung, die er im Prinzip in der römischen Republik verwirklicht sieht. Drei Verfassungsformen werden hier verglichen: Demokratie, Monarchie und Aristokratie. Die römische Verfassung enthält Elemente aus allen drei Formen.

Platon, Glyptothek München

Das Foto zeigt eine Porträtbüste des Philosophen (Replik aus dem 1. Jh. n. Chr. nach einem Original aus dem 4. Jh. v. Chr. - weitere Informationen bei Arachne). Der Bart macht Platon als Philosophen und als Schüler des Sokrates erkennbar. Foto: Bechthold-Hengelhaupt. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Antikesammlungen München/Glyptothek.

Ciceros Bücher über den Staat sind, bis auf das 6. Buch, nur bruchstückhaft überliefert. Der größte Teil wurde im 19. Jh. aus einem Palimpsest rekonstruiert, d.h. ein Philologe entdeckte damals, dass sich unter dem Text einer mittelalterlichen Handschrift eine ausradierte Version von Ciceros Text verbirgt. Der Schreiber des Mittelalters hatte Ciceros Text ausradiert, um das Pergament ein zweites Mal verwenden zu können. Manche wichtige Textstellen konnten nicht mehr rekonstruiert werden, aber man findet sie in Zitaten bei späteren Autoren.

Zur Textsammlung mit den Auszügen aus De re publica.

De finibus bonorum et malorum (Über das höchste Gut und das schlimmste Übel)

Cicero verfasste dieses Werk, das bis auf die Einleitungen zu den einzelnen Büchern aus Dialogen besteht, in den Monaten Mai und Juni des Jahres 45 v. Chr., also während Caesars Diktatur. Es ist in fünf Bücher gegliedert:

  1. Die Ethik Epikurs, verteidigt von dem Epikureer Torquatus
  2. Kritik Ciceros an den epikureischen Thesen von Buch 1
  3. Der Stoiker Cato stellt die Lehre der Stoa vor.
  4. Kritik Ciceros an den Thesen der Stoa, die in Buch 3 vorgestellt werden
  5. Die Lehre des Peripatos (einer an Aristoteles orientierten Philosophenschule), Pro und Contra

Über die philosophische Grundhaltung dieses Werks gibt es in der Forschung mittlerweile einen Konsens, der dahin geht, dass hier eine skeptische Grundhaltung vorherrscht, d.h. dass Cicero keiner der vorgestellten Lehren einen absoluten Vorrang einräumt, sondern sich eher durch einen Vergleich aller Positionen der Wahrheit anzunähern versucht. Dabei ist allerdings eindeutig, dass er die epikureische Philosophie ablehnt. Siehe hierzu auch die Darstellung zu Ciceros Philosophie in der Online-Dissertation Antikerezeption im Internet, (2012), Kap. 13 (Autor: T.Bechthold-Hengelhaupt, online bei der Ludwig-Maximilians-Universität München).

Die Textsammlung mit den Auszügen aus De finibus bonorum et malorum ist so aufgebaut, dass zu den Themen Orientierung an der Lust und Freundschaft jeweils erst die epikureische Sichtweise aus dem 1. Buch und dann die Kritik an Epikur aus dem 2. Buch einander gegenübergestellt werden. Ferner gibt es einen Text aus dem 5. Buch zum Thema Oikeiosis (gr. οἰκείωσις; Zueignung der Natur an die Lebewesen. Wie dieser und verwandte Texte im Unterricht behandelt werden können, das wird in den Erläuterungen zum Begriff der Oikeiosis dargestellt.

Vor allem im 5. Buch von De finibus stellt Cicero die Lehre des Philosophen Antiochos von Askalon dar, einem Vertreter der akademischen Richtung der hellenistischen Philosophie, die summarisch als Ausdruck der Skepsis bezeichnet werden kann und der Cicero selbst nahestand (Wikipedia: Antiochos von Askalon). Für antike Leser war der Anfang eines Buches wichtig, da man ja Buchrollen verwendete, die kein Titelblatt hatten, so dass die Leserin oder der Leser immer zuerst den ersten Satz sah. Das erste Substantiv im fünften Buch von De finibus ist der Name Antiochos (Quelle: Perseus), der somit zum eigentlichen Thema dieses Buches wird.

De Officiis (Über die Pflichten)

Ende des Jahres 44 v. Chr., also kurz nach der Ermordung Caesars, verfasste Cicero sein Werk De officiis, in dem er sich an ein verloren gegangenes Werk des griechischen Philosophen Panaitios anlehnt. Das zentrale Thema ist das Verhältnis von Nutzen und Sittlichkeit, aber im Rahmen dieser Erörterung kommen auch Fragen wie die nach dem gerechten Krieg (bellum iustum) zur Sprache. Das Werk ist nicht in Dialogen, sondern in Form einer durchgehenden Abhandlung verfasst. Cicero richtet es an seinen Sohn Marcus.

Die Textsammlung mit den Auszügen aus De Officiis behandelt diese Themen:

  • Kardinaltugenden und Oikeosis (siehe hierzu den vorangehenden Abschnitt und die Erläuterungen zum Begriff der Oikeiosis)
  • Das Nützliche und die menschliche Arbeit
  • Der gerechte Krieg (bellum iustum – mehr dazu siehe unten auf dieser Seite)

Literatur zu Ciceros De officiis und Panaiotios Werk über die Pflichten: Eckard Lefèvre: Panaitios´ und Ciceros Pflichtenlehre. Vom philosophischen Traktat zum politischen Lehrbuch (Historia Einzelschriften Bd. 150), Stuttgart 2001

Übersetzungstexte aus Ciceros philosophischen Schriften im thematischen Projekt Der gerechte Krieg

Im Lektüreprojekt Der gerechte Krieg – bellum iustum sind neben Texten anderer Autoren auch Auszüge aus den oben angeführten philosophischen Werken Ciceros zusammengestellt, v. a. aus De officiis. Ferner findet man dort eine Liste mit Linkvorschlägen zu aktuellen Texten über die Frage, ob heute die Idee eines gerechten Krieg noch verteidigt werden kann, z. B. in Form einer humanitären Intervention.


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