Von der Südsee nach Tübingen: das Dilemma der Völkerkunde – Die ethnologische Sammlung des Museums der Universität Tübingen

Hintergrund

Bedeutung


Das Erbe der Völkerkunde in heutiger Zeit

Noch heute erfreut man sich der exotischen Objekte in ehemaligen Völkerkundemuseen, die inzwischen meist (mehrfach) umbenannt worden sind. In der Völkerkunde bzw. Ethnologie hat sich in den letzten Jahrzehnten ein grundlegender Paradigmenwechsel vollzogen, der eng mit der postkolonialen Neuperspektivierung zu tun hat, die alle Kulturwissenschaften betrifft. Hieraus haben sich völlig neue Fragestellungen ergeben bis hin zur Diskussion darüber, welche Berechtigung es dafür gibt, dass wichtige Kulturgüter aus anderen Kontinenten in europäischen Museen ausgestellt und damit oft profaniert werden – zumal diese oft gewaltsam innerhalb von Unrechtskontexten angeeignet wurden. Diese globale Entwicklung lässt sich auch in Ethnologischen Sammlungen in Baden-Württemberg nachvollziehen, wie z.B. im Museum der Universität Tübingen (MUT). Das Modul befasst sich mit der Frage der kolonialen Erinnerung konkret vor Ort am Beispiel dieser Sammlung des MUT.

 

Maske für den „Tatanua“-Tanz, Neuirland (Papua-Neuguinea)

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Maske für den „Tatanua“-Tanz, Neuirland (Papua-Neuguinea)

 

In der ethnologischen Sammlung befinden sich vor allem Objekte aus der Südsee und dem Amazonasgebiet, die aufgrund von Sammlertätigkeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Weg in die Universitätsstadt gefunden haben. Vereinzelt zählen auch Objekte aus Afrika dazu. Exemplarisch werden die Bedeutung und Funktion sowie der Weg nach Europa nachvollzogen; hiervon ausgehend wird die mentalitätsgeschichtliche Haltung hinter dem Aufbau dieser Sammlungen erläutert sowie der Frage nachgegangen, welche Verantwortlichkeiten hieraus in heutiger Zeit entstehen. Das Modul eignet sich auch für die Reflexion des Begriffs Rassismus und leistet einen Beitrag zur Bildung für Toleranz und Vielfalt sowie zur Demokratiebildung und ist von seiner Struktur her grundsätzlich auf andere ethnologische Sammlungen übertragbar.

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Malanggan-Schnitzwerke in Säulenform,

Neuirland (Papua-Neuguinea)

 


- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte an der ZSL-Regionalstelle Tübingen -


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Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

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