Herrschaftsmodelle im 20. Jahrhundert (Kursstufe)

Zustimmung Ravensburg 1933 Eröffnung Rutenfest
Widerstand 8.11.1939 - Georg Elser Attentat auf die NS-Führung
Friedrich Ebert spricht
vor dem Berliner Reichstag
Zustimmung
Ravensburg 1933
Eröffnung Rutenfest
Widerstand
8.11.1939 - Georg Elser
Attentat auf die NS-Führung


Geographische Orientierung der Module: zur Kartenseite


I. Die Weimarer Republik als liberale parlamentarische Demokratie

Südwestdeutschland Kriegsende 1918 und Dolchstoßlegende

Darstellung des 'Dolchstoßes' auf einem Wahlplakat der DNVP im Vorfeld der Reichststagswahlen vom 7. Dezember 1924

Darstellung des 'Dolchstoßes' auf einem Wahlplakat der DNVP im Vorfeld der Reichststagswahlen vom 7. Dezember 1924

Was geschah in den letzten Wochen des Ersten Weltkriegs, und wie erklärte die deutsche Rechte die Niederlage des Reiches? Die erste Doppelstunde des Moduls thematisiert die deutsche Bitte um Waffenstillstand, die Beurteilung der militärischen Lage durch die Oberste Heeresleitung und die Friedensvorstellungen von Präsident Wilson. Im Mittelpunkt der zweiten Doppelstunde stehen die Inhalte der von der deutschen Rechten vertretenen Dolchstoßlegende - was und wer wurde konkret für die Niederlage verantwortlich gemacht?

Stuttgart

Novemberrevolution in Stuttgart

Generalstreik in Stuttgart April 1919

Sigmaringen „Frage der Etikette“ oder „Kampf um die Republik“? Der Konflikt zwischen den Sigmaringer Regierungspräsidenten und dem Haus Hohenzollern in der Weimarer Republik

Einweihung des neuen Sigmaringer Rathauses

Einweihung des neuen Rathauses in Sigmaringen am 9.1.1927

Das Unterrichtsmodul thematisiert den jahrelang öffentlichkeits- und medienwirksam ausgetragenen Konflikt zwischen den Regierungspräsidenten des preußischen Regierungsbezirks Sigmaringen und dem Haus Hohenzollern. Es veranschaulicht am lokalen Beispiel, wie schwierig es für die Repräsentanten der noch jungen Republik war, die Autorität des demokratischen Staates, insbesondere den republikanischen Gleichheitsgrundsatz gegenüber den „alten Eliten“ (Adel, Bürokratie, Militär), aber auch gegenüber Teilen des konservativen Bürgertums durchzusetzen. Im Sinne der Demokratiebildung sensibilisiert das Modul dafür, dass eine erfolgreiche Republik nicht nur funktionierender demokratischer Strukturen, sondern auch der gesellschaftlichen Tiefenstruktur republikanischer Grundüberzeugungen bedarf. Das Unterrichtsmodul ist für die Kursstufe konzipiert, kann aber auch in Klasse 9 eingesetzt werden.

 

II. Diktatur des Nationalsozialismus

Machterwerb und Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus

Friedrichshafen „Panzer haben wir keine gebaut – nur Motoren“: Die Rüstungsindustrie in Friedrichshafen im Zweiten Weltkrieg

V2 beim Start

V2 beim Start

Das Unterrichtsmodul beschäftigt sich zunächst mit der Rüstungsindustrie und den Fremdarbeitern in der Zeppelin-Stadt Friedrichshafen. Ausgehend vom Eintrag zu Friedrichshafen in einer Übersicht von geeigneten Angriffszielen in Deutschland des britischen Ministeriums für wirtschaftliche Kriegsführung aus dem Jahr 1943 („The Bomber’s Baedecker“) stehen zunächst die Rüstungsindustrie und die Lebensbedingungen der Fremdarbeiter in Friedrichshafen im Mittelpunkt des Unterrichtgangs. Zentrales Ziel der zweiten Doppelstunde ist es -  aufbauend auf der ersten Doppelstunde – eine fundierte Beurteilung des Umgangs mit den Wehrwirtschaftsführern (WeWiFü) der Rüstungsindustrie nach Kriegsende zu treffen. Dazu setzen sich die Lernenden zunächst mit der deutschen Wirtschaft als einen tragenden Teil des Vernichtungskriegs auseinander, um anschließend die „Entnazifizierung“ in Friedrichshafen zu reflektieren und den Umgang mit den WeWiFüs zu beurteilen.

Freiburg Arisierung in Freiburg – das Kaufhaus Julius Marx

 Arisierung in Freiburg – das Kaufhaus Julius Marx

Anzeige in der Freiburger Zeitung, 15. Mai 1904

In zwei Doppelstunden wird das Thema „`Arisierung´ in Freiburg – das Kaufhaus `Julius Marx´“erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Gesetzgebung der Nationalsozialisten im Hinblick auf eine absteigende Entwicklung hin zu einer zunehmenden Entrechtung der Menschen jüdischen Glaubens. Sie lernen die Familien Marx und Rothschild kennen und betrachten die Geschichte des Kaufhauses „Julius Marx“. 

 Freiburg Die Zerstörung der Weimarer Demokratie und die Herrschaft der Nationalsozialisten im Spiegel der 'Freiburger Zeitung'

'Freiburger Zeitung', 30.01.1933 (Abendausgabe)

'Freiburger Zeitung', 30.01.1933 (Abendausgabe)

In diesem binnendifferenzierten Modul werden anhand von Beiträgen in der Freiburger Zeitung 'Bausteine' (Unterrichtssequenzen) zu ausgewählten Aspekten der deutschen Geschichte der Jahre 1930 bis 1943 bereitgestellt, deren Behandlung die Bildungspläne der weiterführenden Schulen verlangen. Thematisch stehen hierbei die Präsidialkabinette (Baustein 1), der antidemokratische Charakter der NSDAP (Baustein 2), die 'Gleichschaltung' der Presse (Baustein 3) sowie die Berichterstattung zur Schlacht von Stalingrad (Baustein 4) im Fokus.
Unter 'Vertiefungen und Erweiterungen' werden Vorschläge für die Arbeit direkt an den digital frei zur Verfügung stehenden Ausgaben der Freiburger Zeitung gemacht.
 Ludwigsburg Wie mit Schülern eine (kleine) landesgeschichtliche Ausstellung gestalten? Eine Kooperations-Vitrine von Schule und Archiv zum Beispiel der Backnanger Fahrradfirma Hahn während der NS-Zeit

Die fertige Kooperationsvitrine im Staatsarchiv Ludwigsburg 2020

Die fertige Kooperationsvitrine im Staatsarchiv Ludwigsburg 2020

Das hier dargestellte Modul – die Erstellung einer Mustervitrine – versteht sich vorrangig als Methodenmodul. D.h. hier stand zwar eine reale Umsetzung (als Vitrine im Staatsarchiv Ludwigsburg mit dem Schwerpunkt NS-Zeit) als auch eine größere Ausstellung im Technikforum Backnang (Gesamtdarstellung der Firma) im Hintergrund, aber das eigentliche Ziel ist ein anderes.
Es soll darum gehen, wie ein geschichtliches Thema „öffentlich“ gemacht werden kann mit begrenztem Aufwand. Die Thematik und die gewählten Mittel sind dabei übertragbar auf alltägliche Unterrichtssituationen und beliebige Themen und Klassenstufen.
Wer vertiefend und nachhaltig in die Thematik einsteigen möchte, findet auch Anleitungen im didaktischen Bereich und Bauanleitungen für wiederholte Vitrinen-Ausstellungen.

 

Terror

Achern "Unwertes Leben"? "Euthanasie" in der Illenau

Schule für Volksdeutsche

"Reichsschule für Volksdeutsche Achern" in den Räumlichkeiten der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Illenau (1942)

Anhand des vorliegenden Moduls lässt sich die Verfolgungsgeschichte von Menschen mit körperlichen und psychischen Krankheiten aus der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern im Rahmen des Verbrechenskomplexes der NS-„Euthanasie“ untersuchen.

In der ersten Doppelstunde stehen inhaltlich exemplarische Opfer des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ aus dem südlichen Oberrhein im Zentrum. Die zweite Doppelstunde fokussiert das Verhalten des Illenauer Anstaltsleiters, Dr. Hans Roemer, im Kontext der „Aktion T4“. Dabei wird überprüft, inwiefern Roemers Kritik der Krankentötungen als Widerstand zu bezeichnen ist.

Stetten am Kalten Markt Die ersten NS-Verfolgungsaktionen 1933 am Beispiel des KZ Heuberg. Welche Funktion hatten die frühen Lager?

Fotoserie aus: Stuttgarter neues Tagblatt – Wochenausgabe vom 20.4.1933

Fotoserie aus: Stuttgarter neues Tagblatt – Wochenausgabe vom 20.4.1933

Das KZ Heuberg bei Stetten am kalten Markt war das erste Konzentrationslager in Südwestdeutschland. Es steht für die einerseits chaotische Anfangsphase, aber gleichzeitig für den raschen Ausbau und die Festigung der NS-Herrschaft. Welche Funktion hier die frühen KZs hatten, ist die Leitfrage dieses Unterrichtsmoduls. Sie wird beantwortet anhand biografischer Quellen und Darstellungstexte sowie zahlreicher Artikel aus der Lokalpresse – der Bezugsraum ist das Oberamt Balingen und einzelne Gemeinden im angrenzenden Hohenzollern.

Die Materialien ermöglichen Individualisierung und Binnendifferenzierung, da sie unterschiedliche Komplexitätsstufen umfassen und je nach Unterrichtsplanung ausgewählt und kombiniert werden können.

 Mannheim Die Deportation der Mannheimer Juden nach Gurs

Gedenkstele Schulhof Friedrich-List-Schule Mannheim

Gedenkstele Schulhof Friedrich-List-Schule Mannheim

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Deportation der Mannheimer Juden nach Gurs auseinander und erkennen, dass die Deportation nicht heimlich stattgefunden hat. Sie lernen Oskar Althausen, Dr. Eugen Neter und Kurt Bigler kennen, die im Internierungslager Gurs waren.

Das Modul ist nach drei Niveaustufen differenziert und direkt im Unterricht einsetzbar. Darüber hinaus beinhaltet es Materialien zur Erstellung und Durchführung einer interaktiven Lernorterkundung mit thinglink.


Widerstand

Geislingen Die „Geislinger Weiberschlacht“ vom Dezember 1941. Frauen leisten Widerstand gegen die NS-Kindergartenpolitik

Zeichnung zur Geislinger Weiberschlacht

Zeichnung zur Geislinger
Weiberschlacht

Der massenhafte Widerstand von rund 200 Frauen in der württembergischen Kleinstadt Geislingen bei Balingen gegen die NS-Behörden, die sich im Dezember 1941 vehement der Schließung ihrer katholischen Kinderschule zugunsten eines NSV-Kindergartens (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) widersetzten, ging als „Geislinger Weiberschlacht“ in die Lokalgeschichte ein.
Das Modul umfasst die Sozialgeschichte des Ortes, die unmittelbare Vorgeschichte der Ereignisse am 1. und 2. Dezember 1941 sowie deren Ablauf und das Nachspiel. Eine besonders interessante Quelle stellt der Brief einer der teilnehmenden Frauen an den württembergischen Innenminister im Januar 1942 dar. Insgesamt ermöglichen Materialien mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus eine Binnendifferenzierung.
Lautlingen Der Weg in den Widerstand: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und das Attentat vom 20. Juli 1944

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (links) im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" bei Rastenburg, Ostpreußen am 15.7.1944; in der Mitte: Adolf Hitler

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (links) im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" bei Rastenburg, Ostpreußen am 15.7.1944; in der Mitte: Adolf Hitler

Das Modul ist für Sek. II konzipiert und auf zwei (bis drei) Doppelstunden angelegt. Es ermöglicht die Auseinandersetzung mit dem Thema auf drei verschiedenen Ebenen:

  • Ereignisgeschichte des 20. Juli und der Frage nach dem Scheitern des Umsturzversuchs
  • Wandel Stauffenbergs vom Anhänger des NS-Staats zum Attentäter (Schwerpunkt)
  • Auseinandersetzung mit der Rezeptionsgeschichte und individuelle Bewertung von Stauffenbergs Motive und Tat

Zusätzlich werden ein Vorschlag für einen - durch Schülerinnen und Schüler - geführten Rundgang durch die Stauffenberg-Gedenkstätte Albstadt-Lautlingen (incl. Materialien zur Vorbereitung) sowie ein Aufgabenblatt für den Gang durch die Ausstellung bereitgestellt.

Mannheim Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim

Das Lechleiter-Denkmal (1988) von Manfred Kieselbach in der Mannheimer Schwetzingerstadt

Das Lechleiter-Denkmal (1988) von Manfred Kieselbach in der Mannheimer Schwetzingerstadt

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim auf vielfältige Weise stattgefunden hat. Sie lernen exemplarische mutige Menschen aus Mannheim – u.a. Marianne Cohn, Jakob Reiter, August Locherer –kennen. Das Modul ist nach drei Niveaustufen differenziert und direkt im Unterricht einsetzbar. Darüber hinaus beinhaltet es Materialien zur Erstellung und Durchführung einer interaktiven Lernorterkundung mit der Actionbound-App

 

Aufarbeitung und Erinnerungskultur

 Freudental Das Schicksal des Adolf H. - Die (land-)jüdische Gemeinde und Gedenkstätte PKC Freudental mit besonderem Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus. Ein Zugang über Quellen, Actionbound und Gedenkstättenbesuch

Actionbound-Screenshots mit QR-Codes,

Actionbound-Screenshots mit QR-Codes

Das hier dargestellte Modul besteht im Kern aus zwei Actionbounds zur Ehemaligen Synagoge Freudental, heute Pädagogisch-Kulturelles Centrum.

Das Modul wird am besten vor Ort – in Verbindung mit einem Unterrichtsgang – durchgeführt, kann aber auch in der eigenen Schule durchlaufen werden, dann allerdings sind die Räume mit dem entsprechenden Material vorzurichten. Die hier entstandenen Produkte sind Actionbounds. Diese beiden Bounds bestehen aus einem Innenbound (Judentum, Synagoge Freudental, ggf. auch fachübergreifend in Religion nutzbar) und einem Außenbound (Schwerpunkt: NS-Zeit und jüdische Verfolgung am Lokalbeispiel).

 Ulm "Die Mörder sind unter uns" - Der Ulmer Einsatzgruppenprozess 1958

 

Filmplakat „Die Mörder sind unter uns“

Filmplakat „Die Mörder sind unter uns“

"Die Mörder sind unter uns“ – im ersten deutschen Nachkriegsfilm geht es um den ehemaligen Hauptmann Brückner, verantwortlich für die Ermordung von Zivilisten im besetzten Polen, der unbehelligt als Unternehmer im Kreise seiner Familie lebt - bis er durch Zufall entdeckt wird. Die Abkehr vom „Kommissar Zufall“ brachte erst der Ulmer Einsatzgruppenprozess von 1958 gegen Fischer-Schweder und neun weitere Angeklagte sowie die Einrichtung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen  im Dezember 1958. Neben der Nachkriegsproblematik einer mangelhaften Aufklärung von NS-Verbrechen setzt das Modul einen weiteren Schwerpunkt mit der Betrachtung der ersten Phase der Shoah, den Erschießungsaktionen der Einsatzgruppen. Das Modul wirft hier ein Schlaglicht auf das Einsatzkommando Tilsit, das im Sommer 1941 im deutsch-litauischen Grenzgebiet rund 5.500 Zivilisten – Männer, Frauen und Kinder – ermordet hat. Dieser Verbrechenskomplex stand 1958 in Ulm vor Gericht. Das Unterrichtsmodul ist für die Sek. II konzipiert.  

 


Der Text dieser Seite ist verfügbar unter der Lizenz CC BY 4.0 International
Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

Bitte beachten Sie eventuell abweichende Lizenzangaben bei den eingebundenen Bildern und anderen Dateien.