Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Buchempfehlungen im Monat Juli 2019

Amy Krouse Rosenthal und Paris Rosenthal: Für mein Mädchen (ab 3 - 16 Jahren)
Verlag: cbj

Jesper Wung-Sung: Opfer: Lasst uns hier raus! (ab 14 Jahren)
Verlag: DTV

Amy Krouse Rosenthal und Paris Rosenthal: Für mein Mädchen

Originaltitel: Eine Liebeserklärung an dich - Für alle kleinen und großen Mädchen

Verlag: cbj 2018
Illustratorin: Holly Hatam
ISBN - 13: 978-3570176429
Gebunden : 48 Seiten
Vorlesebuch
Altersempfehlung: ab 3 - 16 Jahren

Amy Krouse Rosenthal schrieb mehr als dreißig Bilderbücher für Kinder und Erwachsene. Sie lebte und arbeitete in Chicago. Ihre Tochter, Paris Rosenthal schrieb zusammen mit ihrer Mutter den liebevollen Text „Für mein Mädchen“, bevor diese verstarb.
Die kurzen Sätze, die einen engen Zusammenhang zum Bild herstellen, sind leicht zu lesen. Als eine Sammlung von Sprüchen und Weisheiten vermittelt das Buch die eindeutige Botschaft, dass jedes Kind einzigartig und etwas ganz Besonderes ist.
„Für mein Mädchen“ ist eine Liebeserklärung an alle Kinder – Mädchen und Jungen. Sie werden in ihrer Lebenskompetenz gefördert und gestärkt (siehe: Handreichung „Mehrebenenkonzept zur Förderung von Lebenskompetenz und Resilienz“ (SE-11), WebshopWebshopDie HR kann im Webshop käuflich erworben werden.Im Webshop suchen nach: Mehrebenenkonzept zur Förderung von Lebenskompetenz und Resilienz), Inhaltsverzeichnis der Handreichung.

Die Illustratorin und Grafikdesignerin Holly Hatam kombiniert Linienzeichnungen, Fotografie und Textur. Es gelingt ihr, Illustrationen zu schaffen, in denen die Figuren lebendig werden und die den Betrachter emotional ansprechen.
Das Buch will keine Rollenklischees oder -verfestigungen bedienen, sondern im Gegenteil aufzeigen, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen das Bedürfnis und den Wunsch nach Vertrauen, Verständnis, Wärme und Liebe haben.
Gedacht ist das Buch nicht nur für Jüngere, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene. Für die eigene Tochter oder Enkeltochter ist es sicher ein sehr persönliches Geschenk.

Methodisch-didaktische Hinweise:
Auf jeder Doppelseite, die jeweils mit der Anrede „Mein Mädchen“ beginnt, gibt es eine andere Situation zu betrachten und zu beschreiben. Die Kinder versetzen sich emotional in das Kind, vermuten, wie es sich fühlt:

Einstiegsfragen nach der Lektüre:
Vermutet, was dem Kind passiert sein könnte?
Worüber denkt es nach?
Was glaubt ihr, wie es sich fühlt?

Anregungen für die Weiterarbeit:
Wortkarten: einsam – fröhlich – traurig – zufrieden – ausgelassen – nachdenklich…
Die Kinder wählen aus den Wortkarten, die auf dem Boden liegen, die passende Karte zum Bild aus, ordnen sie zu und begründen ihre Einschätzung. Sie äußern ihre eigenen Gedanken und Empfindungen.

Habt ihr Ideen, wie das Kind wieder fröhlich sein kann?
Die Kinder schlagen eigene Ideen vor, die ihnen helfen würden, wieder fröhlich zu werden.
Zur Vermittlung können zusätzliche Wortkarten angeboten werden: staunen – träumen – spielen – tanzen – singen – lachen – hüpfen.
Alle Tätigkeiten werden nachgespielt, um zu erleben, wie sich die Fröhlichkeit wieder einstellt.

Ein Transfer auf die eigene Lebens- und Gefühlswelt kann zum Beispiel im Erzählkreis erfolgen: Die Mädchen und Jungen erzählen, wie sie sich in ähnlich emotionalen Situationen fühlen, die im Buch dargestellt werden, wie sie Vertrauen und Selbstsicherheit gewinnen, wem sie sich anvertrauen.                                         

Das Buch lädt dazu ein, sich mit Kindern über Rollenzuweisungen und Klischees zu unterhalten:
Was glaubt ihr, ist typisch für ein Mädchen/Jungen? Warum? Begründet eure Meinung!

Da sich zum Abschluss die Frage aufdrängt, wie das Buch aussehen könnte, wenn es für Jungen geschrieben wäre, wird mit den Kindern darüber gesprochen und nach Antworten gesucht.


                                                                   
C.R. Ideenpool Lesen

Jesper Wung-Sung: Opfer: Lasst uns hier raus!

Verlag: DTV 2018
Übersetzerin: Friederike Buchinger
ISBN-13: 978-3423626705
Taschenbuch : 144 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Jugendbuch

Stellen wir uns vor, es ist ein normaler Tag in der Schule. Es ist Sommer. Alle bereiten das anstehende Schulfest vor. Plötzlich bricht ein Lehrer blutend zusammen. Ein kaum vorstellbares Szenario und doch vom dänischen Jugendbuchautor Jesper Wung-Sung (*1971), der in seiner Heimat viele Preise erhielt, in seinem Jugendbuch „Opfer – Lasst uns hier raus!“ sehr realistisch dargestellt.
An einem Sommertag bittet der Direktor einer großen Dorfschule alle Schülerinnen, Schüler und Lehrerinnen und Lehrer in der Schule zu bleiben. Da in der Hauptstadt eine Epidemie ausgebrochen sei, müsse auch die Schule Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Die meisten nehmen es hin, auch Benjamin, der Sohn des Rektors. Die Männer, die die Nachricht überbrachten, sind schnell verschwunden und plötzlich gibt es keinen Handyempfang mehr. Die Lage wird ernst, als während des Essens Lastwagen und Bagger vorfahren und ein vier Meter hoher Maschendrahtzaun um die Schule errichtet wird. Als schließlich noch eine Kiste aus einem Hubschrauber abgeworfen wird, ist die Verwirrung groß. Neben Lebensmitteln und anderen Gütern finden sich in ihr auch Leichensäcke. Kontrolliert wird die Schule von einer Drohne. Die Deutschlehrerin Heide bekommt plötzlich Blutungen, begleitet von Hustenkrämpfen und Streifen auf der Haut, erblindet und stirbt schließlich. Der zweite Tote ist der Sportlehrer Peter, er erkrankt aber nicht, sondern wird von der Drohne bei seiner versuchten Flucht vom Zaun geschossen.
Es gibt in der Schule immer mehr Kranke, die Versorgung erfolgt weiterhin über die Luft, aber ohne Informationen. Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer erkranken und sterben, die Panik wird größer, bis nach einigen Tagen kein Erwachsener mehr in der Schule ist und auch immer mehr Schülerinnen und Schüler erkranken. Als schließlich keine Versorgungskisten mehr abgeworfen werden, breitet sich Resignation aus, die Hilflosigkeit ist enorm.
Die Sprache ist sehr dicht, der Umfang des Werks überschaubar. Es kann diskutiert werden, ob der Text ein klassisches Jugendbuch, eine Novelle oder eine Parabel ist, da man die Handlung durchaus auf andere Lebensbereiche übertragen kann, was typisch für Parabeln ist. Eingeführt werden sollte der Begriff „negative Utopie“, da der Text etwas zeigt, was in der Vorstellung von Menschen existieren kann, aber [noch] nicht Wirklichkeit ist. Das Geschehen geht unter die Haut, es werden grundlegende Fragen zu Ethik und Moral aufgeworfen: Wann hilft man wem, wie verhält man sich in Notsituationen und wie kann man sich selbst retten, ohne anderen zu schaden? Auch durch die Themen Freundschaft, Verantwortung und Mut, Macht, kollektive Gewalterfahrungen und Beziehungen in Grenzsituationen lohnt ein Einsatz ab Klasse 9.

Da die Rahmenhandlung nur skizziert wird, bleibt viel Raum für ein eigenes Verständnis und eine eigene Deutung des Werks. Die Schülerinnen und Schüler können über die Handlung und das Verhalten der Figuren diskutieren und einen eigenen Schluss schreiben, da der Ausgang offen bleibt.

Ein umfangreiches Unterrichtsmodul mit gutem Material steht auf der Seite des Verlags zur Verfügung.Es bietet didaktisch-methodische Überlegungen, greift fächerübergreifende Aspekte auf, bietet viele Anregungen zur Texterschließung und -bearbeitung und gibt Hinweise auf weiterführendes Material.


M.S. Ideenpool Lesen


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Quelle: https://www.schule-bw.de

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