20.03.2020 Aktuelles
20.03.2020 Aktuelles

Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

 

Unsere Buchempfehlung im Januar 2020


Andreas Steinhöfel: Froschmaul - Geschichten (ab 10 - 13 Jahren)
Verlag: Carlsen

Verlag: Hanser

Andreas Steinhöfel: Froschmaul Geschichten

Verlag: Carlsen
Illustratorin: Peter Schössow
ISBN-13: 978-3-646-92737-5
Taschenbuch : 144 Seiten
Altersempfehlung: ab 10 - 13 Jahren
Jugendbuch

Das Buch „Froschmaulgeschichten“ vereint acht Kurzgeschichten von Andreas Steinhöfel und ist Ende 2019 neu verlegt worden. In den Geschichten wird die Welt aus verschiedenen Kinderblicken reflektiert. Dabei zeigt sich, dass das Leben nicht nur lustig ist und nicht alles so läuft, wie man es sich wünscht. Thematisch geht es in den Geschichten um die erste Liebe, Verluste, Freundschaft, um fehlende Zuneigung und Alkoholmissbrauch der Eltern.

Elmer will mit Hilfe von Süßigkeiten Freunde finden, wird selbst aber immer dicker. Maria träumt vom ersten Kuss und entführt ihren Klassenkameraden Olle, um ans Ziel ihres Traumes zu kommen. Duda, der seinen Namen bekam, weil sein Vater ihn mit „du da“ ansprach, wächst behütet bei seiner Großmutter auf, für die er „wertvoller ist als ein ganzer Sack funkelnder Diamanten“. Bevor sie stirbt, gibt sie ihm den Rat, er müsse lernen, für sich selbst zu sorgen, sonst tue es keiner. Als der 10-Jährige zurück zu seinem emotionslosen Vater muss, helfen ihm die Worte seiner Großmutter und geben ihm Trost, im Leben mit seinem Vater, der „seinen Sohn aus allertiefstem Herzen“ verachtet.

Zu jeder Geschichte gibt es am Beginn eine Vignette. Der Illustrator Peter Schössow gestaltete Schattenumrisse von Kindern, sodass jeder Leser / jede Leserin sich eine eigene Vorstellung der Figuren machen kann und muss. Der Fokus liegt auf dem Innenleben der Figuren, wodurch die Illustrationen nichts vorweg nehmen. Die Geschichten eignen sich hervorragend für den Einsatz im Unterricht der Klassen fünf bis sieben, das Buch findet sich auch im Leseprogramm „Antolin“. Thematisch werden in den Texten Themen aufgegriffen, die Kinder und Jugendliche in der fünften bis siebten Klasse beschäftigen. Sie werden humorvoll beschrieben, sind aber ernst, stimmen nachdenklich und sind immer tiefgründig.

Ergänzend lohnt sich der Einsatz der Hörtexte. Das Hörbuch ist im Hörbuch Hamburg Verlag erschienen und beinhaltet drei CDs (Hörprobe des Hörbuch Hamburg Verlags, YouTube, CD-ISBN: 978-3867421966).  Der Autor liest in ca. 170 Minuten seine Texte selbst und schafft es, Zuhörer und Zuhörerinnen „mitzunehmen“. Es wird deutlich, wie schwierig es sein kann, sich in der Welt zurechtzufinden und seinen eigenen Weg zu finden, wenn andere Entscheidungen treffen. Der Einsatz der gesprochenen Texte lohnt sich im Unterricht, um Kinder / Jugendliche ab Klasse 5 an die Analyse von Hörbüchern oder die Hörspielproduktion heranzuführen.


M.S. Ideenpool Lesen

Julya Rabinowich: Hinter Glas

Verlag: Hanser 2019
ISBN-13: 978-3-446-26218-8
Taschenbuch : 208 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Jugendbuch

Julya Rabinowichs neuer Jugendroman „Hinter Glas“ zeigt das Leben der 17-jährigen Alice. Der Leser / die Leserin begleitet die Hauptfigur, die ähnlich wie Alice im Wunderland, die Hauptfigur des Klassikers Lewis Carrolls aus dem Jahr 1865, in den Kaninchenbau gerät. Auf der einen Seite steht eine Welt voller Wunder, auf der anderen eine Welt der Ängste und Verwirrungen, in der selten etwas ist, wie es zunächst scheint.

Alice wächst in einer kaltherzigen Familie auf, die vom herrschsüchtigen Großvater bestimmt wird. Er ist sehr wohlhabend, musste der Familie seines Sohnes, Alices Vater, den er als Versager an-sieht, immer wieder finanziell aushelfen. Dies nutzt er schamlos aus und erniedrigt die Familienmitglieder immer wieder, worunter die 17-Jährige sehr leidet. Auch zu ihrer Mutter, die Schauspielerin ist, hat sie kein gutes Verhältnis, niemand nimmt die Sorgen des Mädchens wahr.

Alice versucht den Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, nie aufzufallen, ist häufig krank und wird in der Schule als „Queen Bazilla“ beschimpft. Eines Tage steht Niko im Klassenzimmer, der mit seinem Vater gerade von einer Weltreise zurückgekehrt ist. Selbstbewusst tritt er den anderen gegenüber, lässt sich nichts gefallen und verteidigt Alice gegen die Mitschülerinnen und Mitschüler. Alice kann nicht glauben, dass Niko sich für sie interessiert, ist aber nach einer Schulfahrt mit ihm zusammen. Nach einem Streit zu Hause geht Alice zu Niko und verbringt dort die nächsten Tage, bis Nikos Mutter ihre Anwesenheit nicht mehr duldet. Als Konsequenz hauen Niko und Alice ab, kommen erst bei einem Freund unter, gehen nicht mehr zur Schule, verkaufen Nikos Bilder, um Geld zum Überleben zu haben und lernen einander immer besser kennen. Dabei muss Alice immer wieder die aufbrausende Art Nikos erdulden und feststellen, dass er oft alles andere als fair ist.

Das Cover ziert ein Spiegel, die Hauptfigur ist Alice, damit dürfte jedem, der gerne und viel liest, bewusst sein, dass sich auf das Buch „Alice im Wunderland“ bezieht. Schon im Prolog wird deutlich, dass Alices Leben wie ein Spiegel zerbrochen ist und wieder zusammengesetzt werden muss. Aufgeteilt ist das Buch in 24 „Spiegelscherben“, die den jeweiligen Titel tragen.

Der Roman, der in der Ich-Perspektive aus Alices Blick verfasst wurde, wechselt immer wieder die Erzählperspektive, deutlich gemacht durch ein serifenloses Schriftbild. Man weiß lange nicht, wer erzählt und ist an einigen Stellen verwirrt, auf welche Ereignisse in Alices Leben sich bezogen wird. Erst am Ende des Buches versteht der Leser / die Leserin, was die Einschübe bedeuten und erlebt eine neue Alice, der die negative Energie genommen zu sein scheint.

Das Buch ist ab 14 Jahren (Klasse 8) für Buchvorstellungen geeignet, als Lesetipp oder Klassenlektüre. Es gibt neben Alice eine männliche Hauptfigur, Niko, somit sind Identifikationsfiguren für beide Geschlechter vorhanden. Die Kapitel sind recht kurz (zwei bis maximal zehn Seiten), wodurch die Lektüre auch für wenig lesende Jugendliche erleichtert wird. Die Sprache ist leicht verständlich, es sollte aber darauf geachtet werden, dass der Wechsel der Erzählperspektive recht schnell thematisiert wird. Es ist sonst möglich, dass die Schüler / Schülerinnen die Lust am Lesen verlieren, weil sie nicht verstehen, um was es geht. Auch die Gewaltanwendungen, die nie offen geschildert wird, muss im Unterricht thematisiert werden.



M.S. Ideenpool Lesen

 

 

 


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Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

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