Die politischen Akteure in Ciceros Philippischen Reden: Caesar und Octavian / Augustus

 

C. Iulius Caesar

C. Iulius Caesar (100 v. Chr. - 15.3. 44 v. Chr.) war bereits fünf Monate tot, als Cicero die erste Philippische Rede hielt. Seine Ermordung hatte seinen Mördern um M. Iunius Brutus und C. Cassius nicht etwa, wie diese gehofft hatten, freie Bahn für die Wiederherstellung der Republik verschafft, sondern es entstand vielmehr ein Machtvakuum. In der ersten Philippischen Rede (1, 5 f.) beklagt Cicero die Verehrung, die dem toten Dikator entgegengebracht wurde.

Caesar hatte seit Ciceros Konsulat dessen politische Ambitionen vollständig zunichte gemacht. Der Diktatur Caesars stand Cicero, wie auch andere Anhänger einer senatorischen Herrschaft, hilflos gegenüber; im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Cn. Pompeius stellte sich Cicero halbherzig auf Pompeius' Seite und wurde nach Caesars Sieg von diesem begnadigt.

Der Altar des vergöttlichten Caesar auf dem Forum Romanum

Die Stelle auf dem Forum Romanum, an der Caesar verbrannt worden sein soll, erfährt heute noch Verehrung.

Fotografie: Bechthold-Hengelhaupt
 Standardlizenz des Landesbildungsservers

In der zweiten Philippischen Rede drückt Cicero seine Genugtuung darüber aus, dass Caesar ermordet wurde. Man kann daran erkennen, wie verhasst der Diktator unter seinen Gegnern war. Dadurch stand das von Cicero arrangierte Bündnis zwischen der Senatspartei und Octavian von Anfang an unter einem ungünstigen Vorzeichen.

Octavian / Augustus

Der spätere Kaiser Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) wurde als C. Octavius geboren und testamentarisch von C. Iulius Caesar adoptiert. Cicero nennt ihn in seinen Briefen 'Octavianus' (z.B. Ad Atticum 16, 8, 1; Edition des Packard Humanities Institute), während dieser selbst sich nie so nannte. Vielmehr übernahm er den Namen seines Adoptivvaters; welche Namenszusätze verwendet wurden, lässt sich nicht sicher klären, aber für die Philippischen Reden ist wichtig zu wissen, dass Cicero Octavian hier immer als 'Caesar' bezeichnet.

Nach der Ermordung seines Adoptivvaters geriet Octavian mit M. Antonius in einen erbitterten Streit darüber, wer der rechtmäßige Erbe Caesars sei. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich verstehen, wie Octavian, der sich immer auf Caesar berief, sich dazu entschließen konnte, mit den Mördern seines Adoptivvaters ein Bündnis einzugehen. Seine Machtbasis bestand in den Veteranen Caesars, die bedingungslos auf seiner Seite standen, und in erheblichen finanziellen Mitteln, die er aus dem Erbe Caesars gewinnen konnte. Er sammelte ein Heer gegen Antonius, besaß aber keinerlei rechtliche Legitimation für sein militärisches Vorgehen. Darum ist es Cicero in der dritten und vierten Philippischen Rede wichtig, dass der Senat Octavian eine solche Legitimation verschafft. Cicero lobt Octavian in seinen Reden überschwänglich, spottet aber in seinen privaten Briefen über die Jugend des Politikers, mit dem er ein reines Zweckbündnis eingegangen war.

Zum lesenswerten Wikipedia-Artikel über Augustus.