Alltag im Ersten Weltkrieg: Materialschlacht und Heimatfront

Methodenvorschlag

Verlaufsplanung mit Materialien

Zeit/
Phase
Inhalte/
methodische Hinweise
Material
G M E (G8/G9)
1. Doppelstunde    
Einstieg (optional)
'Erster Weltkrieg' allgemein

Quiz zum Ersten Weltkrieg (Anzeige als PDF im Vollbild-Modus) mit Folien zu verschiedenen Aspekten:

- Dauer des Krieges
- Mittelmächte
- Entente
- Kriegsschauplätze
- Dauer einzelner Materialschlachten
- neuartige Waffen
- Artillerie
- Waffen und Verluste
- Zahl der Toten

Auf jede Quizfolie folgt eine Folie mit der richtigen Antwort und Informationen zu den anderen vorgeschlagenen Antworten, die einen Überblick über die Dimension des Ersten Weltkriegs insgesamt geben.

Präsentation 1
Einstieg
'Materialschlacht' / 'Individuelle Kriegserfahrung'

Nach dem Quiz (oder wahlweise auch direkt) erfolgt der Einstieg in das Thema 'Individuelle Kriegserfahrung' über eine vorgefertigte zeitgenössische Gedenkkarte für Gefallene.

Nach Beantwortung der Frage, was die Abbildung mit dem Ersten Weltkrieg zu tun hat, wird diese von den SuS beschrieben. Anschließend kann über die Frage, inwiefern diese Darstellung realistisch ist, zum eigentlichen Thema übergeleitet werden, d.h. zur tatsächlichen Kriegserfahrung der einzelnen Soldaten.

B 10
Erarbeitung 1:
Alltag an der Front

Anhand von Auszügen aus sechs Briefen des badischen Soldaten Hermann Föller (aus dem Artois, aus der Champagne, von der Somme und aus Verdun) und von Fotografien wird in Einzel- oder Partnerarbeit die Vielfältigkeit des Alltags eines einfachen Soldaten an der Westfront erarbeitet. Hermann Föllers Tod wird in der Erarbeitung 2 thematisiert und sollte vorher nicht angesprochen werden.

AB1-G AB 1-M AB 1-E
 

Die nummerierten Fotografien können ausgedruckt oder als PowerPoint-Präsentation in Endlosschleife gezeigt werden (Start über Taste "F5"). Die Aufgabe wird mündlich gestellt beziehungsweise an die Tafel geschrieben.

Die Aufgabe besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler den einzelnen Briefauszügen Fotografien zuordnen und ihre jeweiligen Entscheidungen begründen. Einige der Fotografien können mehr als einem Briefauszug zugeordnet werden, während die Bilder 1 und 14 Waffen zeigen, die Hermann Föller nicht erwähnt.

Die Arbeitsblätter unterscheiden sich insofern, als 1-G und 1-M sprachlich vereinfacht und leicht gekürzt sind, während 1-E den Originaltext weitestgehend unverändert übernimmt. Rechtschreibung und Kommasetzung entsprechen dem jeweiligen Originaltext.

Präsentation 2
(Bilder 1 - 14)
Ergebnissicherung 1

Die Ergebnissicherung erfolgt über eine Mindmap. Je nach Niveaustufe kann die Mindmap nach Besprechung der Zuordnung von Briefauszügen und Bildern auch ganz oder teilweise von den Schülerinnen und Schülern selbst erarbeitet werden. Mögliche Ergänzungen sind im Lösungsvorschlag grau dargestellt, darunter auch solche, die sich nach der (optionalen) Vertiefung beziehungsweise der (optionalen) Erarbeitungsphase 2 ergeben.

AB Lösungsvorschlag
Vertiefung 1 (optional):
geschönte vs. ungeschönte Darstellungen des Krieges

Auszug aus einem Brief des badischen Soldaten Alfons Ankenbrand, der im Frühjahr 1915 am gleichen Frontabschnitt eingesetzt war wie Hermann Föller. Im Vergleich dieses Briefauszugs mit denen von Hermann Föller wird deutlich, dass letzterer seine Eltern - die Adressaten seiner Briefe - offensichtlich schonen wollte. Während Hermann Föller nur von Tod und Verwundung schreibt, nachdem seine Eltern von Dritten erfahren haben, dass er selbst verwundet worden war, beschreibt Alfons Ankenbrand bewusst die brutale Realität des Krieges, um einen Kontrapunkt zu dessen Darstellung in der Presse zu setzen.

Die Schülerinnen und Schüler ergänzen die Mindmap, die nach der ersten Erarbeitungsphase erstellt wurde.

Die Arbeitsblätter unterscheiden sich insofern, als 2-G/M sprachlich vereinfacht ist, während 2-E den Originaltext weitestgehend unverändert übernimmt und zusätzlich zu Ankenbrands Brief ein Faksimile des 'Tagesberichts der deutschen Heeresleitung' vom 6. März 1915 enthält, der die von Ankenbrand erwähnte Lorettohöhe nennt.

AB 2-GM AB 2-E
Vertiefung 2 (optional):
Materialschlacht Verdun

Die Entscheidung der Obersten Heeresleitung, die französische Front vor dem Festungsbezirk von Verdun anzugreifen, führte ab Februar 1916 zur längsten Schlacht des Ersten Weltkriegs. Die deutschen Truppen konnten zwar bis Juli 1916 - auf einer gedachten, geraden Linie zwischen Ornes und Verdun - rund acht Kilometer vorstoßen, wurden jedoch von Oktober bis Dezember 1916 wieder rund sechs Kilometer zurückgedrängt.

Die Schilderung der Zustände auf dem Schlachtfeld bei Ornes, wo Hermann Föller im Juli 1917 tödlich verwundet wurde, in der Geschichte eines zur gleichen Zeit dort eingesetzten französischen Regiments illustriert die Folgen einer 'Materialschlacht'. Eine Karte zeigt den Frontverlauf vor der deutschen Offensive ab Februar 1916 und im weiteren Verlauf der Schlacht sowie die Forts und Artilleriestellungen, die zwischen 1871 und 1914 gebaut worden waren.

Die Schülerinnen und Schüler ergänzen die Mindmap, die nach der ersten Erarbeitungsphase erstellt wurde.

AB 3
Erarbeitung 2:
Hermann Föllers Tod

Hermann Föller starb am 22. Juli 1917 im Feldlazarett von Mangiennes an den Folgen einer Verwundung, die er drei Tage vorher in den Stellungen auf der Vaux-Kreuz-Höhe südwestlich des zerstörten Dorfes Ornes erlitten hatte.

Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren die Ereignisse, die zu seinem Tod führten, indem sie Nachrichten, die seine Familie in diesen Tagen erhielt, in die richtige Reihenfolge bringen (datiert sind sie wie folgt: (b) und (e) 20.07., (c) 21.07., (a) 22.07., (d) 25.07.). Die Schülerinnen und Schüler vergleichen das Schicksal Hermann Föllers mit dem von französischen Soldaten, die seinem Regiment gegenüberlagen.

Die Schülerinnen und Schüler ergänzen die Mindmap, die nach der ersten Erarbeitungsphase erstellt wurde. Bei der Besprechung wird deutlich, dass es auf der französischen Seite Soldaten gab, die zur gleichen Zeit wie Hermann Föller durch Minenfeuer tödlich verwundet wurden und somit sein Schicksal teilten.

Diese Aufgabe kann auch als Hausaufgabe gestellt werden.

Die Arbeitsblätter unterscheiden sich insofern, als 4-G/M sprachlich vereinfacht sind, während 4-E den Originaltext weitestgehend unverändert übernimmt.

AB 4-GM AB 4-E
Problematisierung

Die Schülerinnen und Schüler vergleichen Hermann Föllers Kriegserlebnis und Tod mit der aus dem Einstieg bekannten Gedenkkarte für Gefallene und erklären den Zweck der Gedenkkarte.

B 10
2. Doppelstunde
Einstieg
'Heimatfront'

In seinem zweiten Brief nach Ankunft an der Front geht Hermann Föller im Januar 1915 auf die Zerstörungen ein, die der Krieg im nordfranzösischen Artois bereits verursacht hat. Er nimmt diese Beobachtungen zum Anlass, seine Erleichterung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass der Krieg "im Feindesland" stattfindet, und nicht in der Heimat.

Unter Verweis auf den leidvollen Alltag der Soldaten, der in der ersten Doppelstunde behandelt wurde, kann nun die Frage gestellt werden, wessen Schicksal hier thematisiert wird.

Nach Erörterung des Schicksals französischer Zivilisten im Kampfgebiet erfolgt die Überleitung zu der Frage, wie Zivilisten "auf deutschem Boden" (Föller) und speziell in Baden den Krieg erlebten.

Vor der Erarbeitungsphase kann an dieser Stelle thematisiert werden, welche Arten von Quellen Aufschluss geben können über die Erfahrungen von Zivilisten im Krieg. Nach Vorstellung der Quellengattung 'Zeitung' können die SuS in Form eines Brainstormings Überlegungen anstellen, was die Quellengattung 'Zeitung' in dieser Hinsicht potentiell leisten kann, und was nicht.

B 11
Erarbeitung (Gruppenpuzzle),
Phase 1:
'Leben in Freiburg im Ersten Weltkrieg'

Artikel beziehungsweise Anzeigen aus der Freiburger Zeitung lassen erkennen, dass der Krieg gravierende Auswirkungen auf das Leben an der 'Heimatfront' hatte. Zur Illustration werden u.a. einzelne Dokumente aus dem Stadtarchiv Freiburg verwendet.

Die Bearbeitung der Quellen erfolgt in Form eines Gruppenpuzzles. Vorgesehen sind vier Stammgruppen à vier Schülerinnen und Schüler, die die Themen 'Bedrohung' (AB 5), 'Lebensmittelversorgung' (AB 6), 'Familie / Tod' (AB 7) und 'Wirtschaft / Mangel' (AB 8) bearbeiten. Die Mitglieder einer Stammgruppe erhalten jeweils eine 'Zeitung' aus vier Seiten mit Artikeln beziehungsweise Anzeigen aus verschiedenen Ausgaben der Freiburger Zeitung, die sich auf das Thema ihrer Gruppe beziehen.

Der Arbeitsauftrag (B 12) wird per OHP / Visualizer projiziert.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler je Stammgruppe muss je nach Größe der Lerngruppe angepasst werden. Optional kann eine weitere Stammgruppe gebildet werden, die sich mit dem Thema 'Privatleben / Normalität' beschäftigt (AB 9).

Die Arbeitsblätter unterscheiden sich insofern, als die E-Arbeitsblätter Faksimiles der Artikel beziehungsweise Anzeigen enthalten, deren Entzifferung teilweise anspruchsvoll ist, während die M-Arbeitsblätter weitestgehend unveränderte Transkriptionen der Artikel in Fraktur enthalten und die G-Arbeitsblätter leicht gekürzte und vereinfachte Transkriptionen der Artikel in Times New Roman.

AB 5-G
AB 6-G
AB 7-G
AB 8-G
AB 9-G

B 12
(PDF, S. 2)
AB 5-M
AB 6-M
AB 7-M
AB 8-M
AB 9-M

B 12
(PDF, S. 2)
AB 5-E
AB 6-E
AB 7-E
AB 8-E
AB 9-E

B 12
(PDF, S. 2)
Erarbeitung (Gruppenpuzzle),
Phase 2:
'Leben in Freiburg im Ersten Weltkrieg'

In der zweiten Phase werden neue Gruppen aus jeweils (mindestens) einem Mitglied der Stammgruppen gebildet.

Die Schülerinnen und Schüler stellen ihre Quellen vor und erläutern die Antworten, die sie in ihren Stammgruppen auf die Fragen (vgl. 'Heimatfront', S. 3) gefunden haben.

Anschließend wählen die Schülerinnen und Schüler jeder Gruppe eine Person mit Bezug zu den aus der ersten Phase bekannten Anzeigen aus (vgl. 'Heimatfront', S. 3). Gemeinsam schreiben sie nun für die Familienchronik dieser Person eine fiktive Geschichte über das Schicksal von deren Familie im Ersten Weltkrieg.

Indem die Familienchronik auch Bezug auf das Schicksal (fiktiver) männlicher Familienangehöriger nimmt, können die in der ersten Doppelstunde des Moduls erarbeiteten Erkenntnisse bezüglich der Soldaten an der Front hier noch einmal aufgegriffen werden.

B 12
(PDF, S. 2)
Ausstieg

Die Schülerinnen und Schüler vergleichen das Kriegserlebnis deutscher Zivilisten mit dem der Franzosen, deren Dorf Hermann Föller in dem aus dem Einstieg bekannten Brief erwähnt.

Unter Punkt 3.2.7 des Bildungsplans 2016 kann auf diesen Vergleich rekurriert werden: Einerseits erklären die von Hermann Föller erwähnten Zerstörungen im Kampfgebiet die französische Forderung nach Reparationen im Versailler Vertrag, andererseits lässt sich hier ein Bezug zur Dolchstoßlegende herstellen, die auf der These vom 'unbesiegten' Heer basiert: In einem am 3. Dezember 1918 in der Freiburger Zeitung (1. Abendblatt, S. 2) publizierten Gedicht werden die heimkehrenden Soldaten des 5. Badischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 76 explizit als "Sieger" bezeichnet, und der Verfasser bringt seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, dass sie "unser Badner Land / Mitbeschützt [hätten] vor Feindes Wut" - angesichts der Zerstörungen im Kampfgebiet mussten deutsche Zivilisten tatsächlich froh sein, dass die eigentlichen Kämpfe nicht in ihrer Heimat stattgefunden hatten.

B 11

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Freiburg -
letzte Änderung: 2016-12-20