Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Erinnerung und Verantwortung

Ort/Region

Kurzbeschreibung

Winnenden Winnendens Ehrenbürger Ernst Spingler - Industrieller, Wohltäter, Verbrecher?

Ernst Spingler (1878-1963), Ehrenbürger der Stadt Winnenden. Ölgemälde des Künstlers Gerhard Pollreiß in der Ehrenbürgergalerie im Rathaus.

Ernst Spingler (1878-1963), Ehrenbürger der Stadt Winnenden. Ölgemälde des Künstlers Gerhard Pollreiß in der Ehrenbürgergalerie im Rathaus.

Ernst C. Spingler erlangt mit seiner großen Ziegelei überregionales Ansehen. Ein Wohltäter, ein Ehrenbürger, der mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet wird. Seine Entnazifizierungsakte wirft jedoch Fragen auf, sie zeigt eine Mischung aus schweren Anschuldigungen und Persilscheinen. Die Schülerinnen und Schüler sollen mit diesen Quellen arbeiten und sie einzeln kritisch hinterfragen. Mit der Fragestellung "Ist Spingler ein würdiger Ehrenbürger?" erleben sie selbst, wie schwierig ein retrospektives Urteil ist. Sie stehen vor der gleichen Problematik wie die Spruchkammern, die sich aus der Singularität der nationalsozialistischen Verbrechen ergebenden Verantwortung zu begründen.
Aalen Umbenennen oder beibehalten? Die Erwin-Rommel-Straße in Aalen

Erinnerungsort an der Erwin-Rommel-Straße in Aalen

Erinnerungsort an der Erwin-Rommel-Straße in Aalen

Umbenennen oder beibehalten? In diesem Spannungsfeld stand 2019 die öffentliche Debatte über die Erwin-Rommel-Straße in Aalen. Das Modul zeichnet die Benennung der Straße in den 1950er Jahren und die aktuelle Diskussion über die Umbenennung nach. Es eröffnet die Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, Meinungen über die historische Figur Erwin Rommel zu überprüfen, eigene Urteile zu bilden und die Erinnerungskultur in Aalen zu reflektieren. Das Modul richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, es kann aber auch in der Sekundarstufe II eingesetzt werden. Methodisch steht die Arbeit mit Quellen und Zitaten im Mittelpunkt des Moduls.
Konstanz Nationalsozialismus in Konstanz: Der Fall Willi Hermann – Darf man seine Lieder heute noch singen?

Willi Hermann mit Fasnachtsuniform.

Willi Hermann mit Fasnachtsuniform.

Das Unterrichtsmodul beschäftigt sich mit der Konstanzer Fastnachtsikone Wilhelm Hermann (1907-1977), dessen populäre Lieder bislang fester Bestandteil der Fasnacht am Bodensee waren. In dem Modul wird zunächst anhand von Quellen dessen Verstrickung in das NS-Regime aufgezeigt. Im Anschluss sollen die Schülerinnen und Schüler ein Urteil darüber formulieren, wie mit Hermanns Liedern und seiner Person heute umgegangen werden sollte. Das Modul eignet sich in besonderem Maße dazu, sich mit der Verantwortung der heutigen Generation für die nationalsozialistischen Verbrechen und mit dem schwierigen Umgang hiermit kritisch auseinanderzusetzen. sich aus der Singularität der nationalsozialistischen Verbrechen ergebende Verantwortung begründe
Hechingen „Ich habe noch nie auch nur das leiseste Gefühl gehabt, dass ich mich einmal gegen die Menschenrechte vergangen hätte.“ Der ehemalige Landrat Paul Schraermeyer im Hechinger Deportationsprozess 1947/48

Schraermeyer

Das Urteil des Tübinger Landgerichts im Revisionsprozess gegen den ehemaligen Hechinger Landrat Paul Schraermeyer (1884-1955) vom 12.8.1948.

Anhand des Strafverfahrens gegen den ehemaligen Hechinger Landrat Paul Schraermeyer problematisiert das Modul die unzureichende juristische Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der Nachkriegszeit. Die Lernenden erhalten einen direkten Einblick in die Prozessakten und analysieren sowohl Zeugenaussagen wie auch Entlastungsstrategien des Angeklagten. Ein direkter Vergleich der Urteilsbegründungen des Schuldspruchs in erster Instanz und des Freispruchs in zweiter Instanz veranschaulichen die erheblichen und zunehmenden Widerstände in der unmittelbaren Nachkriegszeit gegen eine adäquate juristische Aufarbeitung der Verbrechen. Dies gilt ganz besonders für die Verantwortung von Tätern der „zweiten und dritten Handlungsebene“.
Stuttgart Adolf Scheufele und die „Zigeuner“ – Entnazifizierung und Erinnerungskultur

Adolf Scheufeles Dienstausweis

Am Beispiel des Stuttgarters Adolf Scheufele, des Sachbearbeiters in der Dienststelle für „Zigeunerfragen“, lernen die Schülerinnen und Schüler den Ablauf der Entnazifizierung kennen und beurteilen deren Erfolg. Sie nehmen die schwierige Anerkennung des Porajmos – des Völkermords an den Sinti und Roma – in der frühen Bundesrepublik bis heute wahr. Sie wenden sich zudem der Verfolgung von Sinti und Roma vor und in der Zeit des Nationalsozialismus zu, um zum Abschluss an einem Papier der Bundesrepublik Deutschland Gründe für die späte Würdigung des Völkermordes zu analysieren.

Freiburg Historisch fragwürdige Straßennamen in Freiburg - beibehalten, ändern oder ... ?

Hindenburgstraße

 Die Hindenburgstraße ist eine der zwölf Straßen, deren Umbenennung die 'Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen' 2016 vorgeschlagen hat.

Die Benennung von Straßen nach Personen hat eine lange Tradition. Sie spiegelt wider, wen man zur Zeit der Benennung dieser Ehre als würdig betrachtete, oder an wen man zumindest erinnern wollte.

Das Modul führt die Schülerinnen und Schüler in die Problematik historisch fragwürdiger Straßennamen ein. Es richtet sich an allgemeinbildende und berufliche Schulen (Klasse 9 der Sekundarstufe 1 bzw. der Gymnasien; Jahrgangsstufe 1 der beruflichen Gymnasien) und umfasst Materialien für die drei Niveaustufen (G / M / E).

Spaichingen Das KZ vor der Haustür - KZ Spaichingen, ein Außenlager von Natzweiler-Struthof

B10 Ehemaliges KZ-Gebäude - Fotografie von 1952 © Kreisarchiv Tuttlingen

Ehemaliges KZ-Gebäude - Fotografie von 1952

Ausgehend von der Gedenkstätte erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in einem Gruppenpuzzle Themen wie die Geschichte des Außenlagers, den Lageralltag der Häftlinge, Beobachtungen und Reaktionen der Bevölkerung, Verantwortliche und Täter, Todesmarsch und Gedenken/Erinnerung. Damit soll das Bewusstsein geschaffen werden, dass es neben den bekannten KZ wie Buchenwald, Dachau oder Auschwitz auch kleinere Lager gab, die für das NS-System wichtig waren - wie dieses hier in Spaichingen.
Das für die drei Niveaustufen (G/M/E) differenzierte Modul eignet sich für die GMS, die Sek.I, die Zweijährige Berufsfachschule und die Sekundarstufe II.

Überlingen Zwangsarbeit im Überlinger Stollen und die Erinnerung daran

KZ-Friedhof bei Birnau (2017)

Das Modul für die Sekundarstufe I setzt sich mit der NS-Zwangsarbeit im Überlinger Stollen auseinander. Am regionalgeschichtlichen Beispiel können allgemeine Merkmale von Zwangsarbeit herausgearbeitet und übertragen werden. Des Weiteren steht die Diskussion, ob und wie an die Zwangsarbeit heute erinnert werden soll bzw. kann, im Zentrum. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, einen eigenen Mahnmalentwurf zu gestalten und ihn auf die Aussageabsicht im Bezug zu den bereits erarbeiteten historischen Fakten zu überprüfen. Alle Materialien sind nach Niveaustufen differenziert.
Heilbronn „…ich war nur Mussmitglied“ – Die Entnazifizierung in Heilbronn

Station „Nachkriegszeit“

Station „Nachkriegszeit“

Die in ihrer Dimension bis heute kaum fassbaren Verbrechen der Nationalsozialisten werfen stets aufs Neue die Frage nach Schuld und Sühne auf. Wie soll man mit den Millionen Menschen umgehen, die diese Verbrechen mitgetragen, geduldet und damit überhaupt erst ermöglicht haben? Am Beispiel der Entnazifizierung, der Antwort der alliierten Siegermächte auf dieses Problem, können Möglichkeiten und Grenzen des Umgangs mit Schuld und Verantwortung im Unterricht ausgelotet werden. Der regionale Bezug auf Heilbronn verweist auf die Allgegenwärtigkeit dieser Frage in Deutschland nach 1945.
Südlicher Oberrhein „Geschichte ganz nah“ – Der Gedenkstättenverbund Südlicher Oberrhein im Spiegel der Geschichtsdokumentation

Gedenkstättenverbund Südlicher Oberrhein

Gedenkstättenverbund Südlicher Oberrhein

Das binnendifferenzierte Modul richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sek. I.
Exemplarisch lassen sich anhand des vorliegenden Moduls in zwei Doppelstunden Formen der Erinnerung an die NS-Diktatur (Geschichtsdokumentation und Zeitzeugeninterview) erarbeiten und auf ihre Standortgebundenheit untersuchen.
Thematisch steht in der ersten Doppelstunde die auch online frei zugängliche Geschichtsdokumentation „Geschichte ganz nah“ zu den sechs Gedenkstätten des Verbundes Südlicher Oberrhein im Zentrum. Die zweite Doppelstunde vertieft das kritische Hinterfragen von Darstellungen über die Vergangenheit anhand eines exemplarischen Zeitzeugeninterviews.
Konstanz Anständig gehandelt? Der Fall des Bruno Helmle

 

Bruno Helmle 1990

Das Unterrichtsmodul beschäftigt sich mit dem ehemaligen Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle (Oberbürgermeister 1959 bis 1980), der für  seine Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt und zum Ehrensenator der Universität Konstanz ernannt wurde. Seit dem Jahr 2010 wurden aber Unterlagen bekannt, die Helmles Verstrickungen in die NS-Politik offenbarten.  In der Folge wurden Helmle posthum Ehrenbürgerwürde wie Ehrensenatorwürde aberkannt, was über die Stadtgrenzen hinaus für Diskussionen sorgte.

Das Modul gibt Schülerinnen und  Schülern die Möglichkeit, sich auf der Grundlage von Quellen und einem Expertengutachten mit Helmles Handeln im Nationalsozialismus kritisch auseinander zusetzen.

   

 

 


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