Eine hohenzollerische Kleinstadt und die Schoah: Die jüdische Gemeinde Haigerloch 1933 bis 1942

Hintergrund

Bedeutung

Zur selbstständigen Erkundung der Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" bietet das Haus der Geschichte für Schulklassen eine pädagogische Handreichung an. Siehe Service.

Anhand konkreter Fallbeispiele können die Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie sich die antisemitische Politik der Nationalsozialisten in einem Milieu durchsetzte und konkretisierte, das durch ein langjähriges "Nebeneinander" und "Miteinander" von Juden und Christen geprägt war. Sie erkennen dabei, dass auch in einer eher konservativ geprägten Kleinstadt, die vielfältige und meist reibungsfreie Kontakte zwischen Juden und Christen ermöglichte, Nichtjuden mit unterschiedlichsten Reaktionsmustern - von Ablehnung und Resistenz bis hin zu Zustimmung und aktiver Mitwirkung - auf die antijüdische Politik der Nationalsozialisten reagierten. Konkrete Beispiele für die Verstrickung von Einwohnern Haigerlochs in die einzelnen Maßnahmen des antisemitischen Terrors und des Genozids veranschaulichen, wie viele Nichtjuden mit den Vorgängen der Schoah direkt oder indirekt in Berührung kamen. Sie bieten den Schülerinnen und Schülern damit anschauliche Ansatzpunkte zur Abwägung von Fragen der Schuld und Verantwortung.

Das in seinem Gebäudebestand bis heute komplett erhaltene ehemalige jüdische Wohnviertel Haag mit der ehemaligen Synagoge und dem ehemaligen jüdischen Friedhof ist ein bundesweit einmaliges Gebäudeensemble. Noch heute lässt sich die Infrastruktur für das säkulare und religiöse Leben der Haigerlocher Juden anhand des Gebäudebestands leicht nachvollziehen.

Die Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" im ehemaligen Synagogengebäude erinnert an über 150 Jahre friedlichen Zusammenlebens christlicher und jüdischer Bürger in Haigerloch, an die dunkle Zeit nationalsozialistischer Diskriminierung und Verfolgung, aber auch an den schwierigen Umgang mit der eigenen Vergangenheit nach 1945.

Die behördliche Überlieferung v.a. des Staatsarchivs Sigmaringen gewährt tiefe Einblicke in die nationalsozialistische Zeit der Diskriminierung und Verfolgung, aber auch in den schwierigen Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit nach dem Krieg.

"Abgehakt und deportiert": Diese Transportliste (Ausschnitt) kam mit großer Wahrscheinlichkeit beim "Verladen" der Juden auf dem Haigerlocher Bahnhof am 24. April 1942 zum Einsatz. Keiner der 26 aufgelisteten Juden aus Haigerloch, darunter drei Kinder im Alter von sechs, 14 und 36 Monaten, kehrte lebend zurück. © Staatsarchiv Sigmaringen Ho 13 T2 Nr. 743 Bild vergrößern

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -

letzte Änderung: 2016-09-08