Das KZ auf dem Oberen Kuhberg bei Ulm – der NS-Terror wird entfesselt

Methodenvorschlag

Verlaufsplanung mit Materialien

Zeit/
Phase
Inhalte/
methodische Hinweise
Material
G M E (G8/G9)
1. Doppelstunde: Vorbereitung des Lernortbesuchs: Der Obere Kuhberg als frühes KZ
1.1. Einstieg: „Kein Schutzhaftlager mehr in Ulm“

Die Schülerinnen und Schüler werden mit einem Propagandatext zum sog. „Schutzhaftlager“ in Ulm konfrontiert, das aus NS-Perspektive die Realität auf dem Kuhberg verharmlost. Dieser Text bewertet das KZ im Rückblick und soll die Schülerinnen und Schüler zu Fragen provozieren, mit denen sie auch ihre Interessen abstecken können.

AB 1c AB 1b AB 1a
1.2 Entwicklung eines Fragetableaus

Die Schülerinnen und Schüler notieren ihre Fragen auf Kärtchen.

Mögliche Fragen wären z.B.

Warum wird das Lager als „notwendig“ bezeichnet?
Welche Gerüchte ranken sich um den Kuhberg?
Hat man auf dem Kuhberg wirklich ein „auskömmliches Dasein“ geführt?
Warum wird das Lager aufgelöst?
Warum kamen die Menschen auf den Heuberg/Kuhberg?
Warum wurden die Häftlinge wieder entlassen? Was haben sie danach gemacht?
Wer war Wärter bei der SA/SS? Warum wurde die SA durch SS ersetzt?
Was wurde aus Kommandant Buck? Was ist sein „anderes Aufgabengebiet“?

Weiterführende Fragen wären z.B.:
Wer war Häftling auf dem Kuhberg? Was war seine Vorgeschichte?
Warum wurde er verhaftet? Wie verliefen Verhaftungen?
Auf welcher rechtlichen Grundlage wurde er festgehalten?
Wie war das Leben im Lager? Wie wurden die Häftlinge behandelt?
Was wussten die Ulmer von dem Lager?
Ist das Lager ein typisches NS-KZ?

Ausgehend von den Fragen werden Themengebiete, mit denen sich die Schülerinen und Schüler befassen, festgelegt:

Nicht alle der oben beschriebenen Themen müssen abgedeckt werden; Schülerinnen und Schüler sollten vor allem nach Interesse wählen.

Wenn nur ausgewählte Aspekte in einem nicht arbeitsteiligen Verfahren behandelt werden sollen, ist dies ebenso möglich.

 
1.3 Erarbeitung Der Obere Kuhberg: Aspekte des frühen Lagerlebens (1)

A Häftlinge und Verhaftungen: Wer war auf dem Kuhberg und wie kam man auf den Kuhberg? (AB 2a-c)

B Haftgründe: Warum waren die Leute auf dem Kuhberg? (AB 3a-c)

C Rechtliche Grundlagen: Inhaftierungen auf welcher Grundlage? (AB 4a-c)

D Haftbedingungen auf dem Kuhberg: Haben sich die Häftlinge gewehrt? (AB 5a-c)

E Das Lager und die Propaganda: Was wussten die Ulmer von dem Lager? Wie haben sie reagiert? Wie wurde es von den Nationalsozialisten dargestellt? (AB 6a-c)

F Der Kuhberg im NS-Lagersystem: Gab es überall solche Lager wie auf dem Kuhberg? - Dieses Thema wird erst in der zweiten Doppelstunde erarbeitet.

AB 2c

AB 3c

AB 4c

AB 5c

AB 6c

AB 2b

AB 3b

AB 4b

AB 5b

AB 6b

AB 2a

AB 3a

AB 4a

AB 5a

AB 6a

 

1.4 Auswertung: Der Obere Kuhberg: Aspekte des frühen Lagerlebens (2)

Es gibt mindestens zwei denkbare Möglichkeiten, wie die Erarbeitung ausgewertet wird:

a. Schülerinnen und Schüler fassen thesenartig im TA zusammen.

b. Schülerinnen und Schüler informieren sich via Gruppenpuzzle.

Wichtig ist es, im Nachgang offen gebliebene Fragen zu klären.

     

1.5 Reflexion: Die Haft auf dem Kuhberg

Mithilfe eines Erfahrungsberichts wird reflektiert, wie die Haft auf dem Kuhberg einen Menschen verändert.

Diese Darstellung soll mit dem Anfangstext „Kein Schutzhaftlager mehr in Ulm“ verglichen werden und so kommen die Schülerinnen und Schüler zu einer Zwischenwertung und stellen vielleicht neue Fragen wie: Warum hat die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung diese frühen Lager hingenommen? Wie muss man Begriffe wie „Schutzhaftlager“ verstehen?

AB 7

1.6 Fragen für die Exkursion

Abschließend sollen sich die Schüler vor der Exkursion an den Lernort noch darüber klarwer den, was sie besonders interessiert, worauf sie gespannt sind; diese Fragen werden gesammelt und zum Lernortbesuch mitgenommen. Die vorgeschalteten Informationen tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler den Lernort bewusster erleben können und das Lernerlebnis auf diese Art nachhaltiger wird.

 

1.7 Puffer: Simulation – Der Koffer ins Lager

„Die Polizei steht vor der Tür und teilt euch eure Verhaftung mit, ihr habt wenige Minuten Zeit und habt einen mittelgroßen Koffer, den ihr ins Lager mitnehmen könnt – was nehmt ihr mit?
Legt eine Liste fest.“

Überprüft nach dem Lagerbesuch, was davon wirklich brauchbar war und was ihr stattdessen besser mitgenommen hättet.

 
2. Doppelstunde: Reflexion des Lernortbesuchs: Der Obere Kuhberg als Teil der NS-Diktatur

2.1 Einstieg/ Rekapitulation: Bilder vom Oberen Kuhberg

Die Schülerinnen und Schüler rekapitulieren den Lernortbesuch mithilfe der historischen Bilder vom Oberen Kuhberg sowie mit den Bildern, die sie selbst dort gemacht haben.

Schaut euch die Bilder an und notiert drei Aspekte, die euch beeindrucken/beeindruckt haben.

D 1

 

2.2 Vertiefung: Filmanalyse

Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihre Kenntnisse zum Thema mithilfe des Films „…dass es so etwas gibt, wo man Menschen einsperrt“ - Film von Bernhard Häusle und Siegi Jonas, DVD, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 1995, LMZ 4664808, 33 Min. Video

Dabei können sie auf unterschiedlich komplexen Ebenen (vgl. AB 8a bzw 8bc) während des Films Notizen machen, mit denen sie anschließend ein Plakat gestalten (Themenfelder bzw. Direkte Fragen).

AB 8bc

AB 8a

2.3 Erarbeitung I/
Gruppenarbeit und Auswertung: Familie Herr

Die Schülerinnen und Schüler gestalten in Gruppen Plakate zu den Erfahrungen der Familie Herr vor, während und nach dem Gefängnisaufenthalt von Ludwig und Fritz Herr auf dem Oberen Kuhberg. Dabei setzen sie ihre Notizen zum Film ein.

Hierzu kann die Lehrkraft je nach Zeitbudget und Lerngruppe auch noch Zusatzmaterial (AB 9) zur Verfügung stellen.

Diese Plakate werden anschließend präsentiert.

AB 9

2.4 Erarbeitung II/ Integration: Der Obere Kuhberg und die NS-Diktatur

Abschließend sollen die Schülerinnen und Schüler die Vorgänge auf dem Oberen Kuhberg und die Bedeutung des Lernortes einerseits in die Geschichte der NS-Diktatur als Etablierung einer rechtsfreien Parallelwelt von Lagern einordnen sowie die weitere Entwicklung des Lagersystems in der NS-Diktatur bis 1945 betrachten.
Dies ist mithilfe von unterschiedlichen Materialien auf unterschiedlichem Niveau – sowohl bei der Erarbeitung als auch mit Hilfen bei der Auswertung – möglich.

Das Ergebnis sollte abschließend im Plenum gesichert werden.

AB 10c

AB 11bc

AB 10b

AB 10b-1

AB 11bc

AB 10a

AB 11a

2.5 Reflexion/
Problematisierung/ Gegenwartsbezug : Menschenwürde

„Es ist ein Umgang mit den Menschen, der keine Ehrfurcht mehr vor dem anderen und der unverletzlichen Würde seiner Person kennt. […] Kuhberg war in diesem Sinn ein Anfang.“
(Gedenkrede des Ministerpräsidenten Erwin Teufel am 14.11.1993)

Ausgehend von diesem Zitat Erwin Teufels sollen sich die Schülerinnen und Schüler zu einem Werturteil über die Vorgänge am KZ Oberer Kuhberg kommen.

 

 
 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -